Ärzte Zeitung, 07.03.2013

Immer noch viele Kranke

Grippewelle flaut langsam ab

Kleine Entwarnung: Die Grippeviren sind in Deutschland nicht mehr so aktiv wie noch in den Wochen zuvor. Dennoch liegen viele Menschen wegen Influenza flach.

Grippewelle flaut langsam ab

Mehr als 38.500 Influenzafälle wurden in dieser Grippesaison bislang gezählt.

© Danel / fotolia.com

BERLIN. Bundesweit geht die Influenza-Aktivität zurück, sie war aber vergangene Woche immer noch in allen Regionen stark erhöht, berichtet die AG Influenza am Robert Koch-Institut.

In der neunten Kalenderwoche (KW 9) ist dabei in den Praxen die Zahl der Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen auf hohem Niveau verharrt.

Im vergangenen Jahrzehnt hatte es nur im Winter 2004/05 ein ähnliches Ausmaß an Atemwegserkrankungen gegeben. Für die KW 9 (23. Februar bis 1. März) wurden bislang 4.204 klinisch-labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt.

Knapp 6000 Influenza-Erkrankte stationär behandelt

Im Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ) waren in der ersten Februarwoche bei 255 eingesandten Sentinelproben 132 positiv für Influenza. Das heißt, bei etwa der Hälfte der Patienten mit Grippe-Symptomen liegt zurzeit auch eine Influenza vor.

Typisch für Influenza sind dabei plötzlicher Krankheitsbeginn, Fieber, trockener Husten und schweres Krankheitsgefühl. In 19 der Proben wurden zudem Respiratorische Synzytial-Viren (RSV) isoliert.

Seit Beginn der Grippesaison im vergangenen Jahr (40. KW) wurden 38.552 klinisch-labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt. 5.931 Patienten (15 Prozent) wurden danach stationär behandelt.

Auch wurden 84 labordiagnostisch bestätigte Todesfälle mit Influenza dem RKI gemeldet; der Altersmedian liegt bei 60 Jahren (Spannweite 1 Monat bis 90 Jahre).

Auch in Finnland und Belgien hohe Aktivität

Insgesamt dominieren A(H1N1)- pdm09Viren. Dieser Subtyp hatte einen Anteil von 43 Prozent an den isolierten Erregern der Stichproben, gefolgt von Influenza A(H3N2)-Viren (35 Prozent) und Influenza B-Viren (22 Prozent).

Die A(H3N2)-Viren reagieren dabei weniger gut mit dem in konventionellen Impfstoffen enthaltenen Impfstamm, so die AG Influenza.

Die anderen Viren würden gut mit dem Impfstoff abgedeckt. Die Analyse der mit Oseltamivir therapierten Patienten ergab in zwei Fällen eine Resistenz gegen den Neuraminidasehemmer.

Alle untersuchten Influenzaviren waren sensitiv gegen den Neuraminidase-Inhibitor Zanamivir.

Außer in Deutschland, gibt es in Europa noch in Finnland und Belgien eine hohe Aktivität von Grippeviren. In den meisten europäischen Ländern nehmen die Grippe-Aktivitäten allerdings bereits wieder ab.(eis)

[08.03.2013, 10:01:37]
Wilfried Soddemann 
Influenzasaison 2012/2013 startete wie immer bei 7°C kaltem Trinkwasser
Die Influenzasaison 2012/2013 startete wie immer bei 7°C kaltem Trinkwasser - schon Mitte Dezember, 2 Wochen früher als sonst. Wird die Trinkwassertemperatur von 7°C überschritten, endet die Influenzasaison abrupt. Das Maximum der Influenzasaison wird Ende Februar/Anfang März erreicht, bei minimalen Trinkwassertemperaturen und nach dem Tauwetter.
Wissenschaftlich unbestreitbar wird das H1N1 Schweinegrippevirus auch über Erbrochenes und Stuhl ausgeschieden. Damit ist der Übertragungsweg Abwasser – Gewässer – Leitungswasser grundsätzlich möglich. Infektionen durch Trinkwasser werden nicht allein durch das Trinken des Wassers übertragen. Weitere Übertragungswege sind das Einatmen von Aerosolen und der Kontakt mit dem Trinkwasser. Eintrittspforten beim Menschen sind die Augenbindehaut, die Nasenschleimhaut, die Mundschleimhaut und die Ohrtrommelfellmembran. Influenzaviren bleiben im kalten Wasser bei 7°C 12 Tage lang ansteckend. Das kalte Wasser wird erst am Wasserhahn mit dem Wasser aus der Warmwasserversorgung vermischt, so dass ansteckende Influenzaviren die Menschen so über das Trinkwasser erreichen können. Unsere Wasserwerke können Viren nicht abfiltern. Daher muss das Trinkwasser mit der Ultrafiltration, die die sehr kleinen Viren aus dem Wasser entfernen kann, für 50 Cent je Person und Monat gefiltert werden.
 
soddemann-aachen@t-online.de
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