Ärzte Zeitung, 13.10.2008

Pneumokokken-Impfung schützt auch Angehörige

Geimpfte Säuglinge übertragen keine Pneumokokken

BALTIMORE (hub). Die Impfung von Säuglingen und Kleinkindern gegen Pneumokokken nützt auch deren Familienangehörigen: Sie werden seltener von den Bakterien besiedelt.

Pneumokokken-Impfung schützt auch Angehörige

Ein Pieks schützt sowohl den Impfling als auch seine Familie.

Foto: Wyeth Pharma

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus den USA, in der über 500 Säuglinge eine Impfung mit der 7-valenten Pneumokokken-Polysaccharid-Vakzine (Prevenar®, PCV) erhielten. Als Kontrollen dienten Säuglinge, die gegen Meningokokken geimpft wurden. Etwa 1,5 Jahre nach Abschluss der Impfserie wurden fast 3400 Familienangehörige der Impflinge auf eine Besiedelung des Nasen-Rachen-Raumes mit Pneumokokken untersucht. Die Angehörigen waren weder gegen Pneumokokken noch gegen Meningokokken geimpft (Clin Infect Dis 47, 2008, 989). Ergebnisse:

  • Kinder unter fünf Jahren, die im Haushalt von gegen Pneumokokken geimpften Säuglingen lebten, waren zu 43 Prozent weniger mit den im Impfstoff enthaltenen Serotypen besiedelt als jene in der Kontrollgruppe.
  • Erwachsene Haushaltsmitglieder der Pneumo-Impflinge waren im Nasen-Rachen-Raum ebenfalls zu 43 Prozent geringer mit den im Impfstoff enthaltenen PneumokokkenSerotypen besiedelt.

Bei 5- bis 17-jährigen Angehörigen gab es keine Unterschiede in der Besiedelung. Die Häufigkeit einer Besiedelung mit nicht in der 7-valenten Vakzine enthaltenen Serotypen war in allen Gruppen ähnlich.

Mit dieser Studie sei somit erstmals der Beweis für indirekte Schutzeffekte durch die PCV-Impfung in einer Interventionsstudie erbracht worden, so die Autoren. Bisher habe es nur epidemiologische Studien gegeben, etwa aus Alaska. Dort war vor Einführung der PCV-Impfung für Säuglinge fast jeder dritte Erwachsene Träger von in der Vakzine enthaltenen Serotypen. Danach sank dieser Anteil auf unter fünf Prozent.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Egoismus gepaart mit Altruismus

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »