Ärzte Zeitung, 13.10.2008

Kommentar

Egoismus gepaart mit Altruismus

Von Michael Hubert

Geht das? Eigennützig und gleichzeitig gemeinnützig sein? Ist das kein Widerspruch? Nein! Impfungen machen es möglich, Egoismus und Altruismus zu paaren. Das hat erneut eine Studie zur Pneumokokken-Impfung von Säuglingen und Kleinkindern ergeben.

Der Egoismus bei der Impfung betrifft die Impflinge selbst: Sie sind vor allem vor invasiven Erkrankungen durch die Bakterien geschützt. Deren Rate wird um bis zu drei Viertel gesenkt, haben mehrere Studien belegt. Auch die Zahl der Pneumonien bei geimpften Säuglingen und Kleinkindern geht zurück: in den USA um fast 40 Prozent nach Einführung der 7-valenten PneumokokkenImpfung. Selbst die Rate an akuter Otitis media nimmt ab. In den USA wurden hier Abnahmen um etwa sechs Prozent ermittelt.

Nun zum Altruismus: Vier Jahre nach Start des Impfprogramms für Säuglinge in den USA ist die Inzidenz invasiver Pneumokokken-Infektionen bei Menschen über 65 Jahre um ein Drittel gesunken. Und: Haushaltsmitglieder geimpfter Säuglinge und Kleinkinder werden seltener durch Pneumokokken-Typen des Impfstoffs besiedelt. Diese sieben Serotypen sind die besonders gefährlichen.

Wo sonst lassen sich Egoismus und Altruismus paaren - außer beim Impfen?

Lesen Sie dazu auch:
Pneumokokken-Impfung schützt auch Angehörige

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