Ärzte Zeitung, 11.08.2009

Nur noch einmaliger Schuss gegen Pneumokokken

Impfkommission STIKO: Keine generelle Wiederimpfung alle sechs Jahre / Bestimmte Risikogruppen sollen jedoch nachgeimpft werden

BERLIN (hub). Die Impfung gegen Pneumokokken ist auch weiterhin Standard für alle über 60 Jahre. Doch es soll nun nicht mehr generell alle sechs Jahre eine Wiederimpfung erfolgen.

Nur noch einmaliger Schuss gegen Pneumokokken

Foto: Klaro

Dies ist eine der wesentlichen Änderungen in den neuen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Als Grund nennt die STIKO vermehrte Verdachtsfälle ausgeprägter Lokalreaktionen nach Wiederholungsimpfung. Zudem habe bei älteren Menschen die Wiederimpfung eine geringere Immunogenität (Epid Bull 32, 2009, 337).

Berichte über Lokalreaktionen nach Impfung mit der 23-valenten Pneumokokken-Polysaccharid-Vakzine (PPV, in Deutschland Pneumovax23®) sind so alt wie die Vakzine selbst. Die STIKO zitiert in ihrer Begründung mehrere Studien, darunter eine Rückschau mit über 300 000 erwachsenen Impflingen. ICD-Ziffern, die auf Lokalreaktionen an der Einstichstelle hinweisen, wurden demnach bei 0,3 Prozent der Impflinge nach der ersten PPV-Impfung verwendet. Nach der ersten Wiederimpfung waren es bei 0,7 Prozent und nach der zweiten Wiederimpfung 0,5 Prozent so (Vaccine 24, 2006, 151).

In einer anderen, von der STIKO nicht genannten Studie, wurden nach erster Impfung bei drei Prozent, nach Wiederimpfung bei elf Prozent der Impflinge deutliche Lokalreaktionen berichtet (JAMA 281, 1999, 243). Die Autoren weisen hier explizit daraufhin, dass das Ausmaß der Lokalreaktionen mit dem Antikörpertiter vor der Zweitimpfung korreliert: je höher die Titer, desto stärker die Lokalreaktion. Letztlich wäre die Lokalreaktion quasi ein Maß für die Güte der Erstimpfung. Dies zu wissen, ist für impfende Ärzte wichtig, denn sie sollen vor einer Wiederholungsimpfung das Risiko einer invasiven Pneumokokken-Erkrankung für den Impfling gegen das Risiko einer verstärkten Impfreaktion abwägen.

Generell empfiehlt die STIKO eine Wiederholungsimpfung für Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten mit T- und B-zellulärer Restfunktion sowie Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten.

Die 23-valente Impfung ist auch weiterhin Standard für alle Menschen über 60 Jahre und Indikationsimpfung für chronisch Kranke - und zwar altersunabhängig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

QuaMaDi wird fortgesetzt

Aufatmen im Norden: KV und Kassen haben sich auf den Fortbestand des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm QuaMaDi geeinigt. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »