Ärzte Zeitung, 09.11.2009

Weniger Otitis media durch Pneumo-Impfung

Die Impfung von Säuglingen gegen Pneumokokken hat mehrere Effekte: Sie schützt die Impflinge vor invasiven Erkrankungen durch die Erreger. Geimpfte bekommen zudem weniger Mittelohrentzündungen. Damit können Antibiotika eingespart werden, und der Resistenzdruck auf die Bakterien wird verringert.

Von Adela Žatecky

Weniger Otitis media durch Pneumo-Impfung

Eine akute Otitis media ist selten nur durch Viren bedingt. Häufig sind Pneumokokken die Erreger der Entzündung.

Foto: Photodisc

BAD ORB. Die Prävention der akuten Otitis media bei Kindern durch Pneumokokken-Impfung ist insgesamt ein sinnvolles Konzept. Epidemiologische Daten aus den USA belegen, dass bei hoher Impfungsrate nicht nur die Erkrankungen selbst, sondern auch der Antibiotikaverbrauch sowie auch die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen eingedämmt werden.

In den ersten sechs Lebensjahren machen etwa 60 Prozent aller Kinder mindestens eine akute Otitis media (AOM) durch, und diese Erkrankung ist bei Vorschulkindern der häufigste Grund für Antibiotika-Verschreibungen. Eine Reduktion der Zahl von Otitis-media-Erkrankungen hätte daher auch weniger Antibiotika-Verschreibungen zur Folge, betonte Professor Johannes Liese aus Würzburg bei einem Symposium beim 27. Herbst-Seminar-Kongress des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Da die Pneumokokken zu den häufigsten Pathogenen gehören, die allein oder in Koinfektion eine AOM auslösen können, lag die Vermutung nahe, dass eine breitflächige Impfung gegen Pneumokokken - zu der vor allem wegen der Reduktion invasiver Pneumokokken-Infektionen geraten wird - auch die Krankheitsbelastung durch Otitis media reduzieren könnte. Doch erst größere epidemiologische Studien nach der Zulassung haben dies auch bestätigt, so Liese weiter.

In einer deutschen Praxisstudie wurde der Effekt der 7-valenten Pneumokokken-Impfung auf die AOM-Rate untersucht und dazu die weiteren Verläufe von 4500 geimpften im Vergleich zu 1000 ungeimpften Säuglingen verglichen. Die Rate der AOM-Erkrankungen wurde durch die Impfung signifikant um ein Fünftel reduziert: Sie lag bei 29 Prozent bei den Ungeimpften, verglichen mit 23 Prozent bei den Geimpften. In einer italienischen Untersuchung wurde seit Einführung der 7-valenten Impfung eine Reduktion der AOM-Krankenhausaufnahmen von Kindern im Alter bis zu 24 Monaten um über ein Drittel verzeichnet.

Zunehmend zeigen sich auch Effekte der Herdimmunität dadurch, dass weniger krankheitsrelevante Erreger zirkulieren, so Liese weiter: "Dadurch sehen wir Effekte, die über das hinaus gehen, was allein durch die Reduktion der Erkrankungen bei den Geimpften zu erwarten wäre."

Dies macht vor allem auch eine Praxisstudie aus den USA deutlich: Seit Einführung der Impfung im Jahr 1999 bis 2004 sank dort die Zahl der Arztbesuche wegen akuter Otitis media um 43 Prozent und die Zahl der Antibiotika-Verordnungen wegen AOM um 42 Prozent. Man geht davon aus, dass neben einer verbesserten Diagnostik nach klaren Diagnosekriterien und einem restriktiveren Umgang mit Antibiotika auch die Pneumokokken-Impfung wesentlich zu dieser Reduktion beigetragen hat.

Weitere Verbesserungen erhofft man sich von den neueren, 10- und 13-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffen, die noch mehr Pneumokokken-Stämme erfassen. Ob und wie sich dies tatsächlich auf die Epidemiologie der Otitis media auswirkt, wird sich nach Einschätzung von Liese erst nach breiter Verwendung dieser Impfstoffe zeigen. Derzeit liegen dazu noch zu wenig Daten vor.

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