Ärzte Zeitung online, 25.07.2013

Coronavirus

Stammt MERS aus Afrika?

Forscher des Bonner Universitätsklinikums entdecken in südafrikanischen Fledermäusen einen engen Verwandten des MERS-Coronavirus.

Stammt MERS aus Afrika?

Coronavirus unter dem Elektronenmikroskop.

© Center for Disease Control / epa / dpa

BONN. Das neuartige Virus "MERS-CoV" gilt als gefährlich: Fast 50 Menschen, die sich bisher mit dem Erreger infiziert haben, sind mittlerweile gestorben.

Bislang standen alle Fälle mit der arabischen Halbinsel in Zusammenhang. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn und aus Südafrika haben nun im Kot einer südafrikanischen Fledermaus einen Erreger nachgewiesen, der genetisch so eng wie bislang kein anderer mit dem MERS-CoV übereinstimmt, teilt die Uni Bonn mit.

Die Forscher gehen nun davon aus, dass Fledermäuse aus Afrika eine wichtige Rolle bei der Evolution von MERS-CoV-Vorläufern spielen. Die Ergebnisse sind im Journal "Emerging Infectious Diseases" online vorab veröffentlicht.

Bisher etwa 90 Personen infiziert

Das neue "Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus" (MERS-CoV) wurde inzwischen bei etwa 90 Patienten diagnostiziert.

"Das Virus ist gefährlich: Mehr als die Hälfte der Patienten ist inzwischen gestorben", wird Dr. Jan Felix Drexler vom Institut für Virologie des Bonner Universitätsklinikums zitiert. Bei schweren Verläufen traten unter anderem akutes Nierenversagen und Lungenentzündung auf.

Alle Fälle konnten geographisch mit der arabischen Halbinsel in Zusammenhang gebracht werden. Zwei aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten importierte Erkrankungsfälle wurden in Deutschland behandelt. Ein Patient überlebte die Infektion, der andere starb.

Kot von 13 verschiedenen Fledermaus-Arten untersucht

Wissenschaftler aus Südafrika und vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn haben nun Hinweise gefunden, dass MERS-CoV möglicherweise in Fledermäusen aus dem südlichen Afrika seinen Ursprung haben könnte.

Die südafrikanischen Wissenschaftler um Professor Wolfgang Preiser beprobten den Kot von insgesamt 62 Fledermäusen von 13 verschiedenen Arten und untersuchten in Zusammenarbeit mit den Bonner Forschern das Erbgut der darin enthaltenen Viren.

In der Kotprobe einer Fledermaus der Art Neoromicia cf. zuluensis stellten die Wissenschaftler ein Virus fest, das genetisch so eng wie bislang kein anderes mit dem MERS-CoV übereinstimmt.

"Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass das MERS-CoV ursprünglich aus Fledermäusen stammt und über andere Tiere als Zwischenwirte zum Menschen gelangt ist", so Drexler in der Mitteilung der Uni Bonn.

Suche nach dem MERS-CoV-Ursprung sollte Afrika miteinbeziehen

Bei dem Befund handele es sich zwar bislang um einen Einzelfall. "Bei der Suche nach der geographischen Herkunft des neuartigen Virus sollte aber neben der Arabischen Halbinsel auch Afrika mit einbezogen werden", so der Virologe des Bonner Universitätsklinikums.

Die Suche nach dem Ursprung von MERS-CoV sei genauso wichtig, wie die Forschung nach geeigneten Therapien. Nur wenn Herkunft und Verbreitungswege des neuartigen Virus bekannt sind, lasse sich die Gefahr für den Menschen minimieren.

Ein Vorbild für die Ausbreitung des MERS-CoV könnte das Rifttalfieber (Rift valley fever) sein, das im Jahr 2000 von Ostafrika kommend zu Erkrankungsausbrüchen in Saudi Arabien führte.

Es seien nun weitere Untersuchungen an Fledermäusen und potenziellen Zwischenwirten erforderlich, um die Herkunft von MERS-CoV aufzuklären, so Drexler. Der Nachweis eines verwandten Erregers aus Fledermäusen bedeute nicht, dass sich Menschen direkt an diesen Tieren infiziert haben.

Eher seien die Fledermäuse natürliche Wirte für diese Coronaviren, während die Menschen sich vermutlich an Zwischenwirten infiziert haben, etwa Kamelen. Inzwischen wird das Virus vermutlich von Mensch zu Mensch übertragen. (eb)

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