Ärzte Zeitung online, 13.11.2013

Coronavirus

Kamele als Mers-Überträger?

Ein mit dem neuen Coronavirus infizierter Patient könnte sich bei einem seiner Kamele angesteckt haben.

RIAD. Mediziner haben in Saudi-Arabien neue Hinweise darauf gefunden, dass Kamele Träger des neuen Coronavirus Mers sind. Saudische Medien meldeten am Dienstag, in der Hafenstadt Dschidda am Roten Meer sei das Virus bei einem 43 Jahre alten Mann entdeckt worden.

Anschließend hätten die Behörden alle Menschen und Tiere in seiner Umgebung untersucht. Dabei hätten sie festgestellt, dass eines der Kamele, die der Infizierte hielt, ebenfalls Träger des Virus war. Das Gesundheitsministerium kündigte weitere Untersuchungen an, um festzustellen, dass es sich wirklich um den gleichen Erreger handelt.

Das Mers-Virus war im September 2012 erstmals aufgetaucht. Es kann zu Nierenversagen und schwerer Lungenentzündung führen. Weltweit wurden bislang 64 Todesfälle registriert, davon 53 in Saudi-Arabien.

In früheren Studien war die Vermutung geäußert worden, das Virus könne von Fledermäusen übertragen werden. Im Sommer hatte ein internationales Forscherteam bereits Antikörper gegen den Erreger im Blut von Dromedaren aus Saudi-Arabien gefunden. (dpa)

[13.11.2013, 12:11:08]
Dr. Horst Grünwoldt 
Antikörper
Wenn bei einem einzigen "Kamel" in einer Dromedar-Herde im Blutserum Antikörper gegen ein sog. neues Mers- (Corona-)Virus festgestellt wurde, so kann dies noch nicht Anlaß sein, die ganze vierbeinige Spezies leichtfertig als Infektions-Quelle abzustempeln. Auch im Hinblick darauf, daß sie bei Arabern traditionell als Haustier besondere Wertschätzung genießt.
Die Fledermaus-Hypothese als mögliche "Seuchen"-Qelle scheint wahrlich geo-epidemiologisch ganz weit hergeholt. Schließlich gibt es diese Tierart als "Vampire" (Säugerblut-schmarotzende Wesen) -abgesehen von Transsilbanien im Reich von Drakula- nur im südamerikanischen Biotop (sub-tropisch), und die zoologisch verwandten Cameliden (Lama, Guanako, Alpaka) vorzugsweise im Anden-Hochland; aber keine "Wüstenschiffe"!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

Wie auch bei der Tuberkulose als Anthropozoonose, wo heutzutage gelegentlich (oder wieder) das humane Mykobakterium durch engen Mensch-Haustier-Kontakt in Rinderherden festgestellt wird, sollte die serologisch positive Mers-Antigen-Reaktion zunächst in die gleiche Richtung verfolgt werden. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »