Ärzte Zeitung online, 27.06.2014

MERS-Coronavirus

Saudi-Arabien verdächtigt Kamele aus Somalia

Wo kommt bloß das MERS-Coronavirus her, fragt sich die Virologenwelt. In Saudi-Arabien hat man eine neue Hypothese: Das Virus könnte aus Somalia stammen. Dort dort ist bislang niemand an MERS erkrankt.

NEU-ISENBURG. Die Behörden in Saudi-Arabien verdächtigen offenbar importierte Kamele aus Somalia als Quelle für den Ausbruch des Coronavirus MERS. Sollte sich diese Hypothese erhärten, könnte das Königreich womöglich einen Importbann für die Tiere verhängen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Entsprechende Vorbereitungen liefen bereits.

"Wir haben den Verdacht, dass die Erkrankung möglicherweise durch den Handel mit Kamelen vom Horn von Afrika importiert worden sein könnte", sagte Professor Tariq Ahmed Madani in einem Gespräch mit Reuters. "Bislang konnten wir das aber noch nicht nachweisen." Madani ist Facharzt für Infektiologie und Chef des wissenschaftlichen Beratergremiums im saudischen Gesundheitsministerium.

Bislang würden Kamele aus Somalia auch weiterhin importiert, sagte er. An den Häfen würden die Tiere nun allerdings gescreent. Nach seinen Worten könnte es auch ein präventives Importverbot geben, bis man sicher wisse, ob die somalischen Tiere das Virus tragen oder nicht. Die Entscheidung muss allerdings das Landwirtschaftsministerium treffen. Dort ziehe man einen Bann in Erwägung, sagte Madani.

Mit dem "Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus" (MERS-CoV) haben sich seit Anfang 2012 allein in Saudi-Arabien nach jüngsten Angaben 710 Menschen infiziert, 292 sind an den Folgen der Erkrankung gestorben.

Als Reservoire werden wiederholt Kamele, speziell Dromedare vermutet. Obwohl zahlreiche Studien bis dato Fakten oder zumindest harte Indizien in diese Richtung geliefert haben, hinterfragen Experten diese Quelle in regelmäßigen Abständen.

Reuters berichtet nun unter Berufung auf die Virologin Dr. Lisa Murillo vom staatlichen Los Alamos National Laboratory im US-Bundesstaat New Mexico, dass Analysen von MERS-Patienten auf der arabischen Halbinsel und importierten Kamelen vom Horn von Afrika "auffällig Korrelationen" aufwiesen. Details sind dem Bericht jedoch nicht zu entnehmen.

Derzeit würden Serumproben von weiteren Tieren aus Somalia analysiert. Sollten sich dort MERS-CoV-Antikörper finden, stelle sich laut Murillo die Frage, warum am Horn von Afrika noch keine MERS-Fälle aufgetreten sind.

Die Hypothese, das MERS-Virus könnte aus Somalia stammen, schafft zudem weitere Verwirrung bei der Suche nach der ursprünglichen Quelle. Denn im Frühjahr konnten Forscher aus Riad zeigen, dass das Coronavirus womöglich schon seit 20 Jahren auf der arabischen Halbinsel zirkuliert. (nös)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Bruch mit dem deutschen Verordnungssystem?

Eine Gesetzesänderung ermöglicht Ärzten seit kurzem, Cannabis zulasten der Kassen zu verschreiben. Der Patient bezieht Cannabis aus der Apotheke. Das neue Rechtskonstrukt sehen viele aber als "Systembruch". mehr »