Ärzte Zeitung online, 02.10.2012

Gastroenteritis

Noroviren unter Verdacht

Die Epidemie von Brechdurchfällen im Osten der Republik scheint vorüber zu sein. Auch wenn die Quelle noch immer nicht feststeht, rücken Noroviren stärker in den Fokus.

Noroviren unter Verdacht

Kantinenessen: mit Noroviren?

© Jens Büttner / dpa

BERLIN (nös). Die Epidemie von akuter Gastroenteritis in Ostdeutschland könnte womöglich schon überstanden sein. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstag verdichten sich die Hinweise, "dass der Ausbruch vorüber ist". Die Ursache für die Erkrankungswelle und die Erreger ist jedoch noch nicht ausgemacht.

Zwar steigen dem Lagebericht zufolge die Fallzahlen noch immer, allerdings beruht das laut RKI vor allem auf Nachmeldungen durch die zuständigen Behörden aus den einzelnen Bundesländern.

Betroffen von der Epidemie sind Schulen und Betreuungseinrichtungen in allen ostdeutschen Bundesländern einschließlich Berlin, aber mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern.

Bis zum Dienstagmorgen verzeichnete das RKI rund 10.000 Fälle aus 416 Einrichtungen. Tags zuvor waren erst 8962 Fälle aus 369 Einrichtungen gemeldet.

Ergebnisse aus Berlin

Laut RKI deuten immer mehr Laboruntersuchungen auf eine Norovirus-Epidemie hin. Allerdings sind noch nicht alle Rückstellproben aus den Kantinen untersucht, zahlreiche Laborergebnisse liegen noch nicht vor. Deswegen wird auch weiter auf bakterielle Toxine hin untersucht.

Außerdem wollen die Experten auch eine Vermischung mit dem "Hintergrundrauschen" nicht ausschließen. Zur Erinnerung: Noroviren verursachen jährlich rund 100.000 Erkrankungen in Deutschland. Vor allem in kalten Jahreszeiten nehmen die Fallzahlen zu.

Auch der Verdacht, dass die Infektionen aus einer Quelle stammen, erhärtet sich offenbar. Die Spuren führen Berichten zufolge zu den Küchen des deutschlandweit tätigen Kantinenzulieferers Sodexo.

Der Berliner Senat berichtet, dass ein Vergleich verschiedener Speisepläne gezeigt habe, dass Lebensmittel eines Zulieferers von Sodexo die Vehikel der Erreger seien.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wollte die Funde am Dienstag zunächst nicht bestätigen. Beim BVL ist die Bund-Länder-Task-Force angesiedelt, die die Untersuchungen koordiniert.

[04.10.2012, 20:48:23]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Warum in Finanzämtern keine Norovirus-Epidemien verbreitet werden
Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet von über 10.000 Fällen mit akuter Gastroenteritis und Brechdurchfall bei Kindern aus 416 Einrichtungen. Die Tatsache, dass diese von Küchen des deutschlandweit tätigen Kantinenzulieferers Sodexo versorgt werden, lässt die Frage offen, weshalb ausschließlich der Osten Deutschlands (ohne MacPom!) und Berlin betroffen sind. Außerdem wird dezentral und unabhängig in mehreren Großküchen von Sodexo gekocht, weshalb globale Zulieferer von Essenszutaten mit bedacht werden müssen.

Direkte Norovirus-Nachweise sind aber nur bei wenigen Erkrankten und nicht bei den in alle Richtungen infektiologisch untersuchten Rückstellproben der verschiedenen Essensausgaben gelungen. Das RKI berichtet in seinem "Epidemiologischen Bulletin" (EpidBull) seit 2001 immer wieder von lokalen, saisonalen, regionalen oder überregionalen Norovirus Epidemien (z.B. 33/2001 Ausbruch in einem Berliner Krankenhaus). Noro-Virusinfektionen können sogar durch Tiefkühlware mit verursacht werden (Bundesgesundheitsblatt 2/2007).

Da Noroviren mit dem Stuhlgang, mit Erbrochenem, durch Kontakt-, Schmier- und Aerosol-Infektion übertragen werden und anscheinend symptomlose Personen auch Virusüberträger sein können, ist die angloamerikanische Bezeichnung "communicable disease" für infektiös übertragbare Erkrankungen besonders hilfreich: Sie verdeutlicht, weshalb Infektionen mit hochkontagiösen, zugleich widerstandsfähigen Viren bei niedrig-schwelliger zwischenmenschlicher Kommunikation rasanter um sich greifen können. In Gemeinschaftseinrichtungen und Tagesbetreuungen für Kinder bzw. Senioren, in Krankenhäusern oder auf Kreuzfahrtschiffen haben die Menschen nun mal mehr zwischenmenschliche, potentiell infektiöse Berührungskontakte als z. B. alle Besucher und Mitarbeiter/-innen von Finanzämtern.

Das RKI müsste seine infektiologische Detektivarbeit auch auf mögliche fehlerhafte oder unwirksame Seifen bzw. Desinfektionsmittel in den Großküchen und korrespondierenden Gemeinschaftseinrichtungen ausdehnen. Selbst potentiell kontaminiertes Toilettenpapier oder mögliche kriminelle Handlungen müssten von der RKI-Task-Force ausgeschlossen werden. Bis dahin sind wir Erwachsenen insbesondere gegenüber unseren Kindern gefordert: Nur das Vorbild der persönlichen Hygiene auch und gerade dann, wenn man sich in der Öffentlichkeit beim Schnäuzen, Niesen, Schnupfen und Spucken scheinbar anonym und unbeobachtet fühlt kann auf Kinder und Jugendliche abfärben. Nach wie vor gilt der Spruch:
"Nach dem Klo und vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen!"

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[03.10.2012, 23:21:55]
Johann Gruber 
Lebensmittelvergiftung
Gastroenteritis - Noroviren unter Verdacht
Die Epidemie von Brechdurchfällen im Osten der Republik scheint vorüber zu sein. Auch wenn die Quelle noch immer nicht feststeht, rücken Noroviren stärker in den Fokus.
So lauten die Überschriften dieses Beitrags. Aber was sollen die Noroviren im Fokus? Warum schreibt man nicht, worum es wirklich geht:
Lebensmittelvergiftung - Zulieferer unter Verdacht
Die Epidemie von Brechdurchfällen im Osten der Republik schein vorüber zu sein. Auch wenn die Quelle noch nicht feststeht, rückt ein Zulieferer für Gemeinschaftsverpflegungen stärker in den Fokus.

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