Ärzte Zeitung, 15.01.2016

C. difficile-Infektion

Wann wird der Verlauf kompliziert?

Gibt es Risikofaktoren, die auf einen komplizierten Verlauf einer Infektion mit Clostridium difficile hinweisen? Kanadische Forscher gingen dieser Frage nach und fanden acht unabhängige Prädiktoren für CDI-Komplikationen.

Von Christine Starostzik

QUEBEC. Infektionen mit Clostridium (C.) difficile machen 15 bis 25 Prozent der nosokomialen Diarrhöen aus, die durch Antibiotika verursacht werden. Dieses Problem stellt Kliniken weltweit vor eine permanente Herausforderung.

In einer multizentrischen prospektiven Kohortenstudie haben Claire Nour Abou Chakra von der Université de Sherbrooke in Quebec und Kollegen jetzt die Risikofaktoren für die bekannten Komplikationen einer solchen Infektion untersucht (Clin Infect Dis 2015; 61:1781-1788).

Hierzu schlossen sie 1380 Erwachsene mit einer per Toxinnachweis bestätigten C.-difficile-Infektion (CDI) aus zehn kanadischen Kliniken in ihre Analyse ein und beobachteten sie über 90 Tage hinweg. Mögliche Risikofaktoren für CDI-Komplikationen wurden innerhalb von 24 Stunden nach der Diagnosestellung erfasst.

Als CDI-Komplikation wurden einer oder mehrere der folgenden Faktoren definiert: Kolonperforation, toxisches Megakolon, Kolektomie, die Aufnahme auf eine Intensivstation wegen einer CDI-Komplikation oder ein CDI-assoziiertes Versterben innerhalb der ersten 30 Studientage.

Ribosomentyp R027 am häufigsten

Bei acht Prozent der Patienten lag eine CDI-Komplikation vor. Bei 922 Patienten gelang die ribosomale Typisierung, wobei am häufigsten (52 Prozent) der Ribosomentyp R027 festgestellt wurde, ein hochvirulenter Stamm mit hohen Rezidivraten und einem schlechtem Ansprechen auf Antibiotika.

In der multivariaten Regressionsanalyse wurden folgende Risikofaktoren für eine CDI-Komplikation identifiziert: Alter ab 80 Jahren (Odds Ratio, OR 2,2), Herzfrequenz > 90/min (OR 2,1), Tachypnoe > 20/min. (OR 1,7), Leukopenie < 4000/μl (OR 2,6), Leukozytose > 20.000/μl (OR 2,2), Serumalbumin < 25 g/l (OR 3,1), Harnstoff > 7 (OR 3,0) beziehungsweise > 11 mmol/l (OR 4,9) und CRP ≥ 150 mg/l (OR 3,6).

Bei Patienten mit dem R027-Ribotyp wurde zwar häufiger eine CDI-Komplikation festgestellt als bei anderen Ribotypen (10,9 versus 7,2 Prozent), aber dieser Zusammenhang erreichte in der adjustierten Analyse keine Signifikanz.

Risiko-Faktoren identifizieren

Bei keinem der anderen Ribotypen ergab sich eine Assoziation mit einer CDI-Komplikation.

Das Fazit der Autoren: Eine CDI-Komplikation geht mit höherem Alter, pathologischen Laborwerten und veränderten Vitalzeichen einher. Da diese Faktoren zum Zeitpunkt der Diagnosestellung in der Regel vorliegen, könnten sie für die Einschätzung des Risikos genutzt werden, meinen Chakra und Kollegen. Über einen noch zu entwickelnden Score sei es möglich, diejenigen Patienten herauszufiltern, die eine engere Überwachung oder aggressivere Therapie benötigen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »