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H. pylori

Wie sich der Keim auf Organsysteme auswirkt

Lunge, Darmflora, Hormonhaushalt - eine Infektion mit Helicobacter pylori hat nicht nur Folgen für den Magen.

Veröffentlicht:

GRAZ. Das Bakterium Helicobacter pylori, das bekannterweise für Gastritis, Magengeschwüre und in der Folge auch Krebs verantwortlich gemacht wird, scheint auch positive Effekte zu haben. Dies teilt die Karl-Franzens-Universität Graz mit.

Ein Team von Wissenschaftlern aus Graz und New York hat dazu die Auswirkungen einer Helicobacter-Infektion in Magen, Darm und Lunge über einen Zeitraum von sechs Monaten untersucht (Cell Rep 2016; online 4. Februar).

Auf und in unserem Körper leben rund zwei Kilogramm Bakterien. Welche von ihnen "gut" und welche "böse" sind, ist ja nicht immer so leicht zu unterscheiden, da ihr komplexes Zusammenspiel noch wenig erforscht ist. Das gilt auch für Helicobacter pylori.

"Wir wissen zum Beispiel, dass in Gesellschaften, in denen Helicobacter weiter verbreitet ist, Kinder seltener an Asthma erkranken", wird Dr. Sabine Kienesberger vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz und Erstautorin der aktuellen Publikation in der Uni-Mitteilung zitiert.

Darmflora verändert sich

Bei ihren Forschungen entdeckten die Wissenschaftler mehrere interessante Zusammenhänge. "Unsere Untersuchungen zeigten, dass es bei einer Infektion mit Helicobacter zu einer Anreicherung bestimmter T-Zellen in der Lunge kommt. Diese Zellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem", berichtet Kienesberger.

Besonders überrascht habe das Forscherteam, dass es auch Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmflora gibt. Diese könnten wiederum zu einer Stimulierung des Immunsystems führen. Außerdem stellten die Forscher Verschiebungen im Hormon-Haushalt fest.

"So steigt zum Beispiel die Konzentration des ,Hunger-Hormons' Ghrelin an. Bei Überproduktion regt es den Appetit an. Von Ghrelin ist bekannt, dass es ebenfalls Auswirkungen auf das Immunsystem hat", so Kienesberger.

Das Besondere an der Studie ist zudem, dass es gelungen ist, die Helicobacter-Infektion und die entsprechenden Auswirkungen im Mausmodell als dynamischen Prozess über einen längeren Zeitraum zu beobachten, heißt es weiter in der Mitteilung.

"Überraschend waren die frühen und teilweise gegensätzlichen Auswirkungen auf die Lunge, obwohl erst zu späteren Zeitpunkten eine ansteigende Immunreaktion im Magen zu beobachten war", erklärt Kienesberger.

Die Studie lege eine fundierte Basis, um das komplexe Zusammenwirken von Helicobacter, Mikrobiom und Immunsystem zielgerichtet erforschen zu können. (eb)

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