Ärzte Zeitung online, 15.05.2014

Johann-Peter-Frank-Medaille

Amtsärzte zeichnen Pionier der MRE-Netzwerke aus

Große Ehre für Professor Alexander Friedrich: Für seine Verdienste als Pionier der deutschen MRE-Netzwerke gegen multiresistente Erreger erhielt er die Johann-Peter-Frank-Medaille des BVÖGD.

MAGDEBURG. Der Bundesverband der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD) hat Professor Alexander Friedrich mit der Johann-Peter-Frank-Medaille ausgezeichnet.

Der Facharzt für Mikrobiologe Friedrich, der an der niederländischen Universität Groningen lehrt, gilt als Pionier der deutschen MRE-Netzwerke gegen multiresistenten Erreger.

Die Johann-Peter-Frank-Medaille ist die höchste Auszeichnung des BVÖGD und nach dem Gründer der deutschen Sozialhygiene benannt. Sie wurde am Donnerstagnachmittag auf dem 64. Jahreskongress des BVÖGD in Magdeburg zum 42. Mal verliehen.

Friedrich gilt nach den Worten des Laudators Dr. Jürgen Rissland vom Uniklinikum Homburg/Saar als "Personifizierung" der MRE-Netzwerke. Als "Impulsgeber" (Rissland) hat Friedrich im Jahr 2005 das erste deutsche MRE-Netzwerk in der Region Münsterland/Twente (MRSA-net) gegründet.

Seit 2009 schließlich haben sich an der gesamten deutsch-niederländischen Grenze weitere MRE-Netzwerke gegründet. Sie gelten seither als "Mittel der Wahl" gegen die Ausbreitung etwa von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und ähnlichen Erregern.

Friedrich ist mittlerweile Projektleiter von EurSafety Health-Net, einem europaweiten Verbund von Projekten gegen resistente Erreger. Dazu zählen auch die bekannten Euregio-MRE-Netzwerke in den Regionen um die deutsch-niederländische Grenze.

"Explosiv innovativ"

Laudator Rissland nannte zwei Triebfedern, die für Friedrichs Pioniergeist stehen. Zum Einen verkörpere er das "Lernen am positiven Beispiele", sagte Rissland.

Friedrich habe früh erkannt, welche Erfolge die Niederlande im Kampf gegen MRE erzielen konnten und habe sich die Konzepte genau angesehen.

Zum Anderen verkörpere Friedrich die Maxime "geteiltes Leid ist halbes Leid". Er binde Kollegen und Institutionen über Fachgrenzen hinweg ein und rede mit ihnen über Probleme und Erfolge. Friedrich sei einer, der "sein Wissen teilt".

Friedrich selbst bezeichnete in seiner Dankesrede den "Schritt über die eigenen Grenzen, raus aus der Universität hin zu den Patienten" als wegweisend für seinen Werdegang. "Das Handeln über Grenzen hinweg hat mich gelehrt, dass darin ein enormes innovatives Potenzial steckt, gegen Infektionskrankheiten vorzugehen", sagte er.

Die Zusammenarbeit von universitärer Medizin mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst nannte er "explosiv innovativ". Anders als klinische Kollegen hätten Amtsärzte "etwas ganz Besonderes".

Friedrich: "Sie sind nicht in irgendwelchen anderen Interessen verpflichtet, die man ihnen vorwerfen könnte, Sie handeln im Interesse der Bürger", sagte er unter langem Beifall. Das sei "eine besondere Rezeptur". (nös)

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