Ärzte Zeitung, 04.09.2006

Hunde und Katzen übertragen garstige Hautpilze

Tinea capitis führte zu Wucherung am Kopf einer Fünfjährigen / Wird zu spät behandelt, droht Haarverlust

AACHEN (ner). Pilzinfektionen auf dem behaarten Kopf von Kindern sind nicht selten und werden oft fehlgedeutet. Verursacher der Tinea capitis sind Dermatophyten, die von Hunden, Katzen oder anderen Tieren stammen.

Haarprobe unter dem Mikroskop. Zu erkennen sind Elemente des Hautpilzes. Fotos: Springer Verlag/S.M. Erdmann, Aachen Kopfhaut des Mädchens nach dreimonatiger Behandlung mit topischem Econazol und Itraconazol.

Hautärzte vom Universitätsklinikum Aachen beschreiben die Krankengeschichte eines fünfjährigen Mädchens. Bei dem Kind hatte sich binnen weniger Tage ein 3 cm2 großer exophytischer und eitrig sezernierender Tumor an der okzipitalen, behaarten Kopfhaut gebildet. Das Mädchen fühlte sich nicht krank, alle Laborparameter waren normal.

Wucherung durch Pilzbefall auf dem Kopf des fünfjährigen Mädchens.

Der Verdacht auf eine bakterielle Infektion bestätigte sich nicht, berichten Privatdozent Stephan M. Erdmann und seine Kollegen. Die Eltern hatten das Mädchen nach mehrtägiger erfolgloser Therapie mit Antibiotika bei den Dermatologen vorgestellt (Mschr Kinderheilk 12, 2005, 1182).

Infektion wurde durch Kultur einer Haarprobe bestätigt

Nach dreitägiger Kultivierung einer Haarprobe wurde die Infektion mit dem Erreger Microsporum canis bestätigt, der vor allem von Hunden und Katzen übertragen wird. Tatsächlich hatte das Kind während eines Ägypten-Urlaubs und in Deutschland öfter Kontakt mit solchen Tieren gehabt.

Erdmann und seine Kollegen behandelten drei Monate lang mit dem topischen Antimykotikum Econazol sowie vier Wochen lang mit Itraconazol (100 mg täglich). Das systemische Antimykotikum ist für Kinder bisher nicht zugelassen. Unter der Therapie heilte bei dem Kind die Infektion aus.

Die Prävalenz von Tinea capitis werde in den USA mit drei Prozent der Bevölkerung angegeben, berichten die Dermatologen. Für Deutschland gebe es nur eine epidemiologische Studie: 1998 wurden in 154 dermatologischen Praxen und 19 Kliniken bundesweit 394 der Pilzinfektionen gemeldet.

Anthropophile Dermatophyten sind an Menschen angepaßt und verursachen kaum Symptome. Dagegen komme es nach Befall mit zoophilen Dermatophyten zu teils heftigen Reaktionen. Wird zu spät behandelt, droht permanenter Haarverlust, weil die Haarfollikel durch die Erreger zerstört werden können.

    Drei Prozent der US-Bürger haben Tinea capitis.
   

Betroffen sind meist fünf- bis sechsjährige Kinder. Bei immunkompetenten Erwachsenen tritt die Infektion dagegen kaum auf, weil der Talg dann fungistatisch wirksame Fettsäuren enthält.

Pilze sind oft schon im Mikroskop zu erkennen

Die Pilzinfektion lasse sich meist durch eine orientierende mikroskopische Untersuchung der Haarprobe erkennen, so Erdmann. Mit einer Wood-Lampe, die UVA-Licht von 365 nm Wellenlänge ausstrahlt, werden Dermatophyten zur grünen Fluoreszenz angeregt. Obligatorisch ist eine Kultur zum Erregernachweis.

Die Aachener Kollegen empfehlen die kombinierte topische und systemische Therapie mit Antimykotika. Allerdings sei nur Griseofulvin für Kinder zugelassen. Wegen der guten Verträglichkeit würden jedoch auch Azolderivate wie Itraconazol zunehmend angewendet.

Therapie-Leitlinien bei Tinea capitis gibt es unter www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/013-033.htm

STICHWORT

Tinea capitis

Bei der Tinea capitis befallen Dermatophyten den behaarten Kopf, die Augenbrauen und / oder Wimpern. Die Pilze dringen in das keratinreiche Gewebe der Oberhaut und der Haarfollikel ein und breiten sich dort aus. Handelt es sich um zoophile Dermatophyten, also Pilzarten, deren natürliches Reservoir Tiere sind, tritt meist eine eitrige Sekretion auf. Es kann auch zu tumorösen Wucherungen kommen, was zu Fehldiagnosen wie Furunkel oder Karbunkel führt. Bakterielle Superinfektionen sind allerdings möglich.

Differentialdiagnostisch muß auch an die kutane Leishmaniose (Orientbeule) und an maligne Neoplasien gedacht werden. (ner)

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