Ärzte Zeitung, 28.11.2008

Allergische Aspergillose trifft oft Asthmatiker

Für Risikogruppen wird routinemäßiger Hauttest auf Aspergillus fumigatus empfohlen  

WIESBADEN (rf). Allergische bronchopulmonale Aspergillosen (ABPA) sind insgesamt selten. In Risikogruppen wie etwa bei Patienten mit Asthma oder Cystischer Fibrose beträgt die Prävalenz jedoch bis zu 20 Prozent. Professor Detlef Kirste vom Krankenhaus Großhandsdorf empfiehlt daher bei solchen Patienten zur Früherkennung ein routinemäßiges Screening mit Hauttests auf Aspergillus fumigatus.

Im histologischen Bild von Lungengewebe klar zu erkennen: die Infektion mit Aspergillus fumigatus.

Im histologischen Bild von Lungengewebe klar zu erkennen: die Infektion mit Aspergillus fumigatus.

Foto: dpa

ABPA wird nach wie vor deutlich zu spät diagnostiziert, betonte Kirste beim Pneumo-Update 2008 in Wiesbaden. Die Latenzzeit beträgt in der Regel viele Jahre, in Einzelfällen sogar bis zu 30 Jahre nach Beginn der Erkrankung. Die meisten Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Lungeninfiltrate.

ABPA ist die häufigste bronchopulmonale Mykose bei Menschen und wird meistens durch den ubiquitär vorkommenden Pilz Aspergillus fuminatus ausgelöst. Klassisches Symptom ist Dyspnoe, die mit dem Schweregrad der Erkrankung korreliert. Rund ein Drittel der Patienten ist überwiegend asymptomatisch; es fallen aber regelmäßige, etwa einmal jährlich rezidivierende Exazerbationen auf, die bei Asthmatikern und CF-Patienten leicht verkannt werden. Typischerweise wird die Exazerbation eines Patienten mit Asthma und ABPA von Fieber begleitet und von gelblichem Sputum, der nur zäh abhustbar ist. Die Exazerbation dauert mindestens zehn Tage.

Ein Hauttest auf A. fumigatus ist bei den meisten Betroffenen positiv; nur selten wird die Erkrankung durch andere Aspergillenspezies ausgelöst. Bei rund 90 Prozent der Patienten können im Serum spezifische Antikörper gegen Aspergillen nachgewiesen werden und die Gesamt-IgE-Spiegel betragen in der Regel über 1000 kU/ml. Radiologisch fallen in der Lunge Infiltrationen auf, die leicht als Pneumonie fehlgedeutet werden können.

Typisch sind Schattenbildungen, die wegen ihrer charakteristischen Form oft als "Toothpaste-" oder "Glovedfinger-shadows" bezeichnet werden. Als wichtigste Differenzialdiagnosen bezeichnete Kirsten das Churg-Strauss-Syndrom, chronisch eosinophile und atypische Pneumonien sowie Pilzpneumonien, invasive Aspergillosen, sowie bei Rauchern das Bronchialkarzinom.

Grundlage der Therapie ist eine adäquate Behandlung der Grunderkrankung. Rund 80 Prozent der Patienten brauchen dauernd oder intermittierend Kortison - außer bei Exazerbationen wenn möglich inhalativ. Es sollte immer die niedrigste Dosis eingesetzt werden, die ausreiche, um einen Rückfall zu vermeiden und eine Exazerbation zu kontrollieren. "Die IgE-Spiegel müssen unter der Therapie abfallen", so Kirste. Steigen die Werte an, droht ein Rezidiv. Daher sollte die Kortisondosis angehoben werden.

Wirksam sind laut Studien auch Antimykotika wie Itraconazol, wobei nach der Erfahrung von Kirste niedrige Dosen ausreichen, etwa 200 mg Itraconazol täglich. Eine bronchiologische Therapie ist sinnvoll, um Mukuspfröpfe aus den Bronchien wegzuspülen. Eine oberflächliche Reinigung genüge nicht, so Kirste. Es seien mehrere Spülungen über insgesamt 20 bis 30 Minuten nötig.

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