Direkt zum Inhaltsbereich

Streunende Katzen verbreiten aggressiven Pilz

Tierliebhaber aufgepasst! Wer bei Reisen in südliche Länder streunende Katzen streichelt, könnte sich mit einem Hautpilz anstecken.

Von Angela Speth Veröffentlicht:
Zuhause erlaubt, im Urlaub verboten: Katzen in Mittelmeerländern übertragen häufig Microsporum canis © photos.com

Zuhause erlaubt, im Urlaub verboten: Katzen in Mittelmeerländern übertragen häufig Microsporum canis © photos.com

© photos.com

BERLIN. Streunende Katzen gehören besonders im Mittelmeerraum zum Straßenbild, und vor allem kleine Kinder möchten sie liebend gern streicheln. Doch Vorsicht: Die Tiere sind fast immer vom Erreger Microsporum canis befallen, und der geht sehr leicht auf Menschen über. Wegen der Ansteckungsgefahr rät der Berufsverband der Deutschen Dermatologen dringend davon ab, die Katzen zu berühren (hautInform 04/10). "Bei dieser Art von Pilzinfektion kann man von einer Epidemie sprechen", warnt Professor Hans-Jürgen Tietz aus Berlin. Die Keime seien in beliebten mediterranen Urlaubsländern wie Italien, Spanien oder Griechenland weit verbreitet. "Allein in und um Athen gibt es eine Viertelmillion herrenloser Katzen. Über 90 Prozent dieser Tiere sind mit dem Erreger Microsporum canis infiziert", berichtet der Experte für Pilzinfektionen der Haut. Ein einmaliger Hautkontakt beim Streicheln eines Tieres, das diesen Pilz mit sich trägt, reiche für eine Ansteckung aus.

Die Inkubationszeit beträgt zehn Tage. Regelmäßig nach den Ferien kommt es zu einem Andrang pilzinfizierter Patienten in die Arztpraxen. Tietz: "Das ist ein Phänomen, das sich immer wiederholt." Leider dauere es häufig zu lange, bis die Patienten einen Hautarzt konsultieren, der die richtige Diagnose stellt.

Typische Symptome sind juckender Hautausschlag und kreisrunde rote Flecken, zuerst an jenen Körperregionen, die zuerst mit dem Tier in Kontakt kommen: an Händen oder Unterarmen. Im weiteren Verlauf geht der Ausschlag auf den Oberkörper über und erreicht schließlich die Kopfhaut. "Den Patienten, häufig kleinen Kindern, fallen die Haare büschelweise auf kreisrund segmentierten Flächen aus", beschreibt Tietz das fortgeschrittene Erscheinungsbild einer solchen Tinea capitis.

In diesem Stadium wird die Behandlung aufwändig und langwierig. In der Frühphase ist eine Therapie mit pilztötenden Salben über vier bis sechs Wochen möglich. Ist erst die Kopfhaut befallen, muss die Therapie systemisch mit Tabletten erfolgen. Das könne sich bis über ein Jahr hinziehen. Spontanheilungen seien bei dieser Infektion sehr selten.

Daher rät Tietz bei ersten Anzeichen auf Händen und Unterarmen, umgehend einen Hautarzt aufzusuchen. Dieser lässt den Erreger nach einer Hautprobe im Labor genau bestimmen und leitet die Therapie ein.

Oft bleibe es aber nicht bei einer Erkrankung in der Familie, denn der Pilz wird auch leicht von Mensch zu Mensch übertragen. Tietz erlebt es in seiner Praxis immer wieder, dass sich ganze Familien mit einer Pilzinfektion vorstellen, obwohl nur ein Mitglied - meist ein Kind - einen niedlichen Streuner gestreichelt hat. Den Tieren sei nicht anzusehen, ob sie den Erreger mit sich schleppen.

Die Konsequenz ist für Tietz eindeutig: Hände weg von allen streunenden Katzen! Pilze bekommt man nicht, sondern man holt sie sich. Jedes Kind, das Kontakt mit einer infizierten Katze hat, wird krank. Denn die Haut von Kindern habe diesem aggressiven Pilz nichts entgegenzusetzen, so der niedergelassene Dermatologe.

Nach seinen Erkenntnissen sind auch hierzulande viele Hauskatzen von Microsporum canis befallen.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Plötzliche Niesanfälle bringen Mann in Lebensgefahr

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin

Lesetipps
Illustration eines molekularen Modells von Messenger RNA.

© Dr_Microbe / Getty Images / iStock

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Eine Ärztin tropft Allergielösung auf den präparierten Unterarm einer Patientin für den Pricktest.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Steigende Prävalenz

Allergiediagnostik: Dos und Don’ts für die Hausarztpraxis

Eine Thrombose in einem Gefäß

© freshidea / stock.adobe.com

ASS und P2Y12-Inhibitoren

So geht die Plättchenhemmer-Therapie in der Praxis!