Ärzte Zeitung, 29.04.2009

Schweinegrippe-Viren fliegen um den Globus

Auch in Neuseeland und Israel sind jetzt Menschen erkrankt / In Mexiko steigt Zahl der Infektionen langsamer

GENF (dpa). In Deutschland gibt es bisher nur Verdachtsfälle auf Schweinegrippe. Das Virus ist aber in zwei weiteren Ländern eingetroffen: Zehn Studenten aus Neuseeland und ein 26 Jahre alter Mann aus Israel sind daran erkrankt. Der Erreger war zuvor bereits in die USA sowie nach Kanada, Spanien und Schottland gelangt.

Vorbereitungen auf Schweinegrippe: Mitarbeiterin mit Virenbehälter an der Uniklinik in Frankfurt/Main.

Foto: dpa

Die WHO verschärfte wegen des erheblich erhöhten Risikos für eine weltweite Ausbreitung der Krankheit ihre Alarmstufe. Von sofort an gilt Stufe 4 statt bisher 3, sagte der WHO-Generaldirektor für Gesundheitssicherheit und Umwelt, Keiji Fukuda, in Genf nach einer Sondersitzung einer Expertengruppe. Alarmstufe 4 heißt, dass ein neues Grippevirus von Tieren auch Menschen infizieren kann und von Mensch zu Mensch übertragen wird. Bei der höchsten Stufe 6 wird von einer weltweiten Ausbreitung des Virus ausgegangen, also von einer Pandemie.

Bei 26 Erkrankten wurde in Mexiko das Virus bestätigt

Die WHO empfiehlt derzeit keine Reisebeschränkungen oder gar das Schließen von Grenzen, erklärte die Organisation auf ihrer Website. Wenn möglich, sollten aber Reisen in gefährdete Gebiete vermieden werden. Es gehe grundsätzlich keine Gefahr vom Genuss gekochten Schweinefleisches und Produkten aus Schweinefleisch aus. Nach Angaben der WHO gibt es in Mexiko 26 bestätigte Fälle, davon 7 Tote. Der mexikanische Gesundheitsminister José Ángel Córdova hatte zuvor von 152 Grippetoten gesprochen, bei 20 Toten sei das Schweinegrippe-Virus bestätigt. 776 Grippepatienten werden derzeit stationär in Krankenhäusern behandelt, sagte Córdova dem Fernsehsender Televisa. Zuvor hatte der Gesundheitsminister erklärt, die Zahl der gemeldeten Fälle und der Grippetoten sei in den vergangenen Tagen langsamer angestiegen. Im ganzen Land sollen die Schulen, Kindergärten und Universitäten aber bis zum 6. Mai geschlossen bleiben.

Schrecken verbreitete ein Behälter mit Schweinegrippe-Viren in einem Schweizer Zug am Montag: Der Behälter war durch auftauendes Trockeneis explodiert. Ansteckungsgefahr bestand nicht.

Virus-Behälter explodiert - aber keine Gefahr

Die Viren des Subtyps H1N1 waren für das Nationale Grippezentrum in Genf bestimmt. Es handelte sich nicht um den mutierten, für Menschen gefährlichen H1N1-Stamm aus Mexiko. Klassische Schweinegrippe ist relativ harmlos. US-Studien haben ergeben, dass dort 30 bis 50 Prozent aller Schweine in Farmen eine Infektion durchgemacht haben.

Der Reisekonzern TUI hatte seit Montag rund 800 Anfragen, bei denen es um geplante oder gebuchte Mexiko-Urlaube ging. Etwa 10 Prozent der Anrufer hätten umgebucht oder storniert. Knapp 1000 Deutsche verbringen als TUI-Kunden ihren Urlaub derzeit in Mexiko, fast alle jedoch weit weg von Mexiko-City auf der Halbinsel Yucatan.

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