Ärzte Zeitung, 30.04.2009

Schweinegrippe erreicht nun auch Deutschland

Krisen-Management mahnt zur Wachsamkeit und Besonnenheit

BERLIN/MÜNCHEN (HL). Die Schweinegrippe hat nun auch Deutschland erreicht. Die drei nachweislich betroffenen Patienten sind bereits genesen oder ihr Gesundheitszustand bessert sich. Die verfügbaren antiviralen Medikamente erweisen sich auch bei diesem Grippetyp als wirksam.

Isolation der Patienten ist Bestandteil des Influenza-Risiko-Managements. Ein Patient wird derzeit an der Uniklinik Regensburg behandelt.

Foto: dpa

In Mexiko hingegen, dem Ausgangspunkt des neuen Grippetyps, sind nach einer Zwischenbilanz der Gesundheitsbehörden bis zu 159 Menschen gestorben. Bei sieben von ihnen wurde das neue Virus nachgewiesen. In den vergangenen vier Wochen wurden in den Kliniken Mexikos 2498 Patienten mit Verdacht auf Schweinegrippe-Virus behandelt. 1311 Patienten werden noch therapiert. Nachgewiesen wurde das Virus bei 26 Patienten.

Bislang ist außerhalb Mexikos nur ein Mensch nachweislich an dem Grippetyp gestorben: ein 23 Monate altes Kind starb am Mittwoch in Texas, wie das Center of Disease-Control in Atlanta mitteilte. In den USA gibt es 64 erkrankte Menschen.

In Deutschland wurde das Grippevirus bei drei Menschen nachgewiesen. Alle hatten Mexiko besucht. Eine 22jährige Frau aus Kulmbach sei inzwischen wieder genesen, teilte der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder gestern in München mit. Bei einem zweiten Patienten, der in der Universitätsklinik Regensburg behandelt wird, habe sich dank der Behandlung mit Tamiflu® die Symptomatik verbessert. Wegen einer Grunderkrankung bestehe aber ein höheres Komplikationsrisiko, so der Präsident des Bayerischen Gesundheitsamtes, Dr. Andreas Zapf.

Erster Todesfall in den USA gestern bestätigt.

Wichtig, so Zapf, sei eine rasche Diagnostik und Behandlung, gegebenenfalls die Isolierung von Patienten, um das Infektionsrisiko für andere zu senken. Söder appellierte an die Krankenkassen, die dazu notwendige Diagnostik zu finanzieren.

Binnen weniger Tage - seit Bekanntwerden der ersten Schweinegrippe-Fälle in der vergangenen Woche - ist das internationale und nationalen Krisen-Management vergleichsweise geräuschlos angelaufen. Heute trifft sich Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt - nach einer gestrigen Telefonkonferenz mit den deutschen Ländergesundheitsministern - mit ihren Ressort-Kollegen in der EU. Das Ziel: den Informationsaustausch der Experten zu intensivieren, Behandlungs-Leitlinien abzustimmen, nach einer gemeinsamen Linie zum Einsatz antiviraler Mittel und ihrer Bevorratung zu suchen, die Impfstoffentwicklung und -produktion, bei der Deutschland eine führende Rolle hat, voranzutreiben. Ferner wollen die EU-Länder ihre Reiseempfehlungen und das Risiko-Management an Flughäfen harmonisieren.

Das Robert Koch-Institut in Berlin hat unterdessen sein Lagezentrum sowie das Labor im Nationalen Referenzzentrum personell verstärkt. Ab heute findet ein tägliches Presse-Briefing statt.

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