Ärzte Zeitung, 27.07.2009

Wer kommt zur Arbeit in die Klinik und wer nicht?

Bei einer Pandemie würden viele Beschäftigte im Gesundheitswesen zu Hause bleiben. Die wenigsten Fahnenflüchtigen gibt es bei Ärzten.

Von Michael Hubert

Wer kommt zur Arbeit in die Klinik und wer nicht?

Ob sie bei Pandemie wohl zur Arbeit kämen?

Foto: A.Rodriguez©www.fotolia.de

FRANKFURT AM MAIN. Bei einer Pandemie würden viele Klinikmitarbeiter fahnenflüchtig: In einer Umfrage am Uniklinikum Frankfurt am Main gab mehr als jeder Dritte an, in Falle einer potenziellen Influenza-Pandemie nicht zur Arbeit zu kommen. Im Herbst vergangenen Jahres erhielten im Zuge der Grippeimpfung alle teilnehmenden Mitarbeiter des Uniklinikums einen Fragebogen. Ziel der Studie war, zu erfassen, wie Bereitschaft und Möglichkeiten der Mitarbeiter eines großen Klinikums* sind, bei einer Influenza-Pandemie zur Arbeit zu kommen. Von den 3900 Mitarbeitern ließen sich 1244 gegen Grippe impfen, fast alle füllten den Fragenbogen aus.

Die Ergebnisse: 14 Prozent gaben an, einen Arbeitseinsatz während einer Pandemie abzulehnen. Mit 24 Prozent war der Anteil bei Beschäftigten in der Verwaltung am höchsten, mit 6 Prozent bei Ärzten am niedrigsten. Aufgrund von persönlichen Verpflichtungen - Betreuung von Kindern sowie erkrankter Angehöriger - würden 17 Prozent nicht erscheinen, aufgrund von Transportproblemen 13 Prozent. Da Doppelmeldungen ausgeschlossen waren, kämen zusammengefasst 36 Prozent der Beschäftigten im Pandemiefall nicht zur Arbeit (Bundesges. Blatt online). Gründe für das Fernbleiben waren primär Angst um die Familie (77 Prozent) und Angst um die eigene Gesundheit (72 Prozent).

An diesem Punkt kann der Arbeitgeber ansetzen. Denn die Beschäftigten wünschen sich die Bereitstellung angemessener persönlicher Schutzausrüstungen. Ganz oben rangiert mit 88 Prozent ein adäquater Mundschutz. An zweiter Stelle steht der Wunsch, unmittelbar nach Verfügbarkeit eines pandemischen Impfstoffes zuerst geimpft zu werden.

In den USA hatten ähnliche Erhebungen wie die in Frankfurt am Main eine mögliche Ausfallquote bei Pandemie von 50 Prozent ergeben. Damit könnte die medizinische Versorgung enormen Schaden nehmen. Wird doch für Deutschland bei einer Pandemie mit schweren klinischen Verläufen binnen acht Wochen mit 13 Millionen zusätzlichen Arztbesuchen, 360 000 Krankenhauseinweisungen und 96 000 Toten gerechnet.

*Das Uniklinikum Frankfurt am Main verfügt über knapp 1200 Betten und etwa 3900 Mitarbeiter

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[27.07.2009, 16:06:57]
Prof. Dr. Volker von Loewenich 
Wer kommt zur Arbeit und wer nicht?
Sehr bemerkenswert ist der Unterschied zwischen Angehörigen der Verwaltung auf der einen und Ärzten auf der anderen Seite.
Mein Vorschlag: Verwaltung outsourcen nach Indien. In Zeiten des Internets sicher kein Problem.  zum Beitrag »

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