Ärzte Zeitung, 11.01.2010
Schweinegrippe-Impfung: Wirkverstärker
werden grundlos verurteilt
"Wirkverstärker im Pandemie-Impfstoff sind
Teufelszeug, führen zu schwersten Nebenwirkungen." So lasen
sich vergangenes Jahr Medienberichte und Äußerungen,
auch von Ärztefunktionären. Die Realität
sieht jedoch anders aus: Ob mit oder ohne Adjuvans, die in Deutschland
verfügbaren Impfstoffe sind ähnlich gut
verträglich.
Von Michael Hubert

Bei der Verträglichkeit sind die
Pandemie-Impfstoffe alle ähnlich. Adjuvantierte Impfstoffe
sind hier nicht im Nachteil. © Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf
Zur Erinnerung: Ausgelöst wurde die
Debatte um die H1N1-Impfung mit der These, Impfstoffe mit Adjuvans
seien nicht ausreichend getestet, würden vermehrt zu schweren
Nebenwirkungen führen. Hinzu kam die STIKO-Empfehlung,
Schwangere mit nicht-adjuvantiertem Spaltimpfstoff zu impfen. Oft blieb
nur "nicht-adjuvantiert" hängen. So wollten einige
Funktionäre Schwangere mit Celvapan® impfen, einem
Ganzvirus-Impfstoff. Dass für Regierung und Bundesbeamte
Celvapan® statt Pandemrix® geordert wurde, goss
weiteres Öl ins Feuer der Debatte.
Nun nimmt die Schweinegrippe eine Auszeit, Gelegenheit, sich
in Ruhe mit den postulierten Nebenwirkungen von Pandemrix® zu
beschäftigen. Umfassende Daten der europäischen
Arzneimittelagentur EMA liegen vor: Knapp 30 Millionen
Menschen in Europa wurden mit einem der drei zentral zugelassenen
Impfstoffe geimpft, darunter etwa 220 000 Schwangere. Die
nicht-adjuvantierte Ganzvirus-Vakzine Celvapan® haben demnach
260 000 Menschen erhalten, die adjuvantierten Subunit- und
Spaltimpfstoffe Focetria® 7,5 Millionen und Pandemrix®
21,6 Millionen Menschen. Die EMA berichtet folgende Zahlen gemeldeter
Nebenwirkungen für die drei Impfstoffe: 356, 2641 und 8129.
Mit Pandemrix® wurden also etwa 80-mal mehr Menschen geimpft
als mit Celvapan®, die Zahl der Nebenwirkungen ist aber nur
etwa 20-mal so hoch. Die Relation für die beiden Impfstoffe
mit Wirkverstärker ist hier in etwa 1 zu 1.
Nun kann daraus nicht gefolgert werden, Celvapan® sei
weniger verträglich. Schließlich lehrt die
Erfahrung, je häufiger eine Arznei angewandt wird, desto
geringer wird - relativ betrachtet - die Zahl gemeldeter
unerwünschter Wirkungen. Zulässig ist aber die
Folgerung, adjuvantierte Impfstoffe sind genauso gut
verträglich wie jene ohne Wirkverstärker. Diese Daten
allerdings lagen bereits aus den Zulassungsstudien vor und waren
allgemein öffentlich zugänglich. Einzig
Lokalreaktionen waren darin etwas häufiger bei adjuvantierten
Pandemie-Impfstoffen beobachtet worden.
Die große Mehrzahl der Reaktionen stuft die EMA in
ihrem Bericht vom 6. Januar im übrigen als leicht ein. Und:
Die Zahl gemeldeter Fälle von
Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist
niedriger (!) als üblicherweise in
geimpften Kollektiven.
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