Ärzte Zeitung, 21.10.2009

Internet-Forum

Tipps zu Impfungen von Schwangeren

Ein Kollege fragt im Internet:

Frage: Eine 36-jährige Patientin ist erstmals schwanger (7. Woche). Sie wurde seit der Schulzeit nicht mehr geimpft. Der Röteln-Titer ist hoch, Masern anamnestisch durchgemacht. Welche Impfungen sind zu empfehlen? Der Arbeitgeber weiß nichts von der Frühschwangerschaft und möchte einen Impfnachweis.

Dr. Christine Nagler: Ich kann nicht beurteilen, inwieweit ein Arbeitgeber arbeitsrechtlich hier einen Impfnachweis fordern kann (abhängig von der ausgeübten Tätigkeit?). Jedoch sollen Frauen nach dem Mutterschutzgesetz dem Arbeitgeber eine Schwangerschaft und den mutmaßlichen Tag der Entbindung mitteilen, sobald sie Kenntnis davon haben. Lebendimpfungen sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Aber auch Impfungen mit Totimpfstoffen sollten nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen (möglichst nicht im 1. Trimenon!).

Influenza: Die STIKO empfiehlt keine generelle Influenza-Impfung für Schwangere. Die Impfung sollte aber bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung (etwa infolge eines Grundleidens oder beruflicher Exposition) vorgenommen werden.

Gefährdete Schwangere sollten jenseits des 1. Trimenons geimpft werden, wenn das 2. und 3. Trimenon in die Influenza-Zeit (bei uns Dezember bis April) fällt, was zeitlich bei Ihrer Patientin der Fall ist. Nur bei schwangeren Frauen, die unter Erkrankungen leiden, die das Risiko influenzabedingter Komplikationen erhöhen, wird verschiedenen Herstellern zufolge die Impfung unabhängig vom Stadium der Gravidität empfohlen. In den USA wird mittlerweile die Influenzaimpfung generell für Frauen empfohlen, die während der Influenza-Saison schwanger sind (auch hier Impfzeitpunkt jenseits der ersten drei Monate). Diese Empfehlung wird begründet durch Untersuchungen, die dokumentieren, dass eine Influenza in der Gravidität zu einer erhöhten Rate an Komplikationen führen kann. Insgesamt gibt es bisher nur begrenzte Erfahrungen mit der Influenzaimpfung während der Gravidität. Bisher ergaben sich keine Anzeichen für unerwünschte Folgen, die auf den Impfstoff zurückzuführen waren.

Schweinegrippe: Schwangere gehören zu den Risikopatienten, die geimpft werden sollten. Zu überlegen ist eine Tetanus-Impfung. Gegen Diphtherie würde ich bei Reisen in Gebiete mit einem hohen Diphtherie-Aufkommen impfen. Direkt nach der Entbindung sollte Ihre Patientin zum Schutz des Kindes eine Impfung gegen Pertussis (in Kombination mit Tetanus, Diphtherie und gegebenenfalls Polio) erhalten, auch wenn in einem Zeitraum von weniger als fünf Jahren eine Impfung gegen Tetanus (Diphtherie) erfolgt ist.

US-Empfehlungen für die Impfung Schwangerer unter www.cdc.gov/vaccines/pubs/preg-guide.htm

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »