Ärzte Zeitung, 27.10.2009
Vereitelt die Schweinegrippe alle Steuerversprechen?
Studie von Allianz und RWI: Schweinegrippe könnte bis zu 1,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes kosten
BERLIN (ble). Die Schweinegrippe könnte der neuen
Bundesregierung aus Union und FDP bei schwerem Verlauf und einer zu
geringen Durchimpfungsrate einen Strich durch ihre
Steuersenkungspläne machen.
In einer am Dienstag vorgestellten gemeinsamen Studie gehen der
Versicherer Allianz und das Rheinisch-Westfälische Institut
für Wirtschaftsforschung (RWI) von einem H1N1-bedingten
Konjunktureinbruch von im schlimmsten Fall 1,6 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Zu den bereits feststehenden
Milliardenlöchern im nächsten Bundeshaushalt kämen in
diesem Fall weitere Einahmeausfälle. Derzeit gehen Experten
für 2010 von einem Wachstum von rund 1,2 Prozent aus.
Dem vorgelegten Szenario liegt die Annahme zugrunde, dass jeder
zweite Bürger an der Schweinegrippe erkrankt. Bei einer
Erkrankungsrate von 15 Prozent, dem leichtesten dargestellten Szenario,
würde das BIP demnach noch um 0,4 Prozent zurückgehen,
schilderte Dr. Boris Augurzky vom RWI.
Nach den Worten von Dr. Sebastian Krolop, Geschäftsführer
der Beratungsfirma ADMED, orientieren sich die als Basis angenommenen
Erkrankungsraten an Grippepandemien der Vergangenheit, wie der
Spanischen Grippe.
Deutlich begrenzen ließen sich die Auswirkungen, so die
Autoren, mit einer konsequenten Durchimpfung der Bevölkerung. In
diesem Fall erwarten sie selbst bei schwerem Verlauf einen
Rückgang von "nur" 0,8 Prozent am BIP, im leichtesten von 0,2
Prozent.
Die Auswirkungen einer Pandemie auf das Gesundheitswesen
könnten sich derweil schon recht früh zeigen, sagte Krolop.
Bereits bei einem milden Verlauf würden die Intensivbetten an
Deutschlands rund 2100 Kliniken nicht mehr ausreichen. Bei einem
schweren Verlauf würde dann auch die Zahl normaler
Krankenhausbetten nicht mehr ausreichen, um den Bedarf zu decken.
Als von einer Pandemie am stärksten betroffene
Wirtschaftszweige listet die Studie das Transport- und Gastgewerbe
sowie den Kulturbetrieb auf. Dagegen würde die Gesundheitsbranche
mit Mehreinnahmen von bis zu neun Milliarden Euro zu den "Gewinnern"
zählen.
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