Ärzte Zeitung, 04.11.2009

Höchste Warnstufe auch in Südkorea

WHO korrigiert Schweinegrippe-Zahlen aus der Ukraine / EU-Minister sorgen sich um Virus-Mutation

KIEW/BRÜSSEL (eb/dpa/taf). Nachdem die Ukraine die internationale Gemeinschaft um Hilfe im Kampf gegen die Schweinegrippe gebeten hatte (wir berichteten), ruft nun auch Südkorea die höchste Grippe-Warnstufe aus.

Foto GSK, www.fotolia.de

Mit dieser Warnstufe können Behörden schneller als bisher Beschränkungen für Reisen und Veranstaltungen anordnen. In Südkorea sind bislang 42 Menschen gestorben, durchschnittlich werden rund 8000 neue Fälle pro Tag registriert.

Beim schnellen Anstieg der Infiziertenzahlen in der Ukraine hat die WHO die Zahlen korrigiert. Nach ersten Tests seien von 2300 Patienten in den Kliniken (Stichtag 30. Oktober) 131 Menschen mit schweren Verläufen behandelt worden. Bisher wurde von 200 000 Kranken berichtet. Betroffen seien besonders Menschen zwischen 20 und 50 Jahren. Laut WHO seien die Beobachtungen der Krankheitsverläufe in der Ukraine typisch für Länder, die ein Gesundheitssystem haben, das nicht ausreichend auf eine Epidemie vorbereitet ist. Zugleich habe das Virus in der Ukraine gezeigt, wie schnell es sich ausbreiten könne, so die WHO.

Die Tatsache, dass vor allem in vielen südeuropäischen Ländern die Impfmüdigkeit besonders hoch ist, beunruhigt EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou. Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" wiederholte sie die Einschätzung, dass bis zu einem Drittel der EU-Bevölkerung in diesem Winterhalbjahr von dem aggressiven SchweinegrippeVirus infiziert werden und schwer erkranken könnte. "Die jüngst gemeldeten schweren Erkrankungsfälle in den USA geben Anlass zur Sorge und zu höchster Wachsamkeit auch in Europa". Die schwedische Gesundheitsministerin und EU-Ratsvorsitzende Maria Larsson beschreibt die Bereitschaft der Schweden zum Impfen mit 60 bis 65 Prozent.

Sorgen macht es den EU-Politikern auch, dass das H1N1-Virus die Artengrenzen überschreiten könnte. "Das Potenzial dazu hat das Virus", sagt Larsson. Es bestehe die Gefahr, dass sich das Virus, zum Beispiel bei Übertragung auf Schweine oder Geflügel, rasch verändern und dann wieder Menschen infizieren könnte. Die Fähigkeit zur Mutation dürfe nicht unterschätzt werden.

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