Ärzte Zeitung, 17.11.2009

Schweinegrippe: "Säuglinge tragen definitiv das höchste Risiko"

Experten geben Tipps, wie man Babys schützen kann: Mundschutz und keine Küsse / Zurückhaltung bei Impf-Empfehlung für Schwangere

FREIBURG/KÖLN (dpa). Eine durch Schweinegrippe besonders gefährdete Gruppe rückt in den Fokus: Neugeborene und Babys unter sieben Lebensmonaten. Sie dürfen nicht geimpft werden.

Schweinegrippe: "Säuglinge tragen definitiv das höchste Risiko"

Foto: Valentine©www.fotolia.de

Zudem ist für erkrankte Säuglinge nur das orale Tamiflu® geeignet, das für Kinder unter einem Jahr aber nicht zugelassen ist. "Die Säuglinge tragen definitiv das allerhöchste Risiko", sagte Professor Reinhard Berner von der Uniklinik Freiburg.

Damit nicht Mütter ihr Neugeborenes anstecken, sollten sie sich direkt nach der Entbindung impfen lassen, rät Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln. "Alle Kontaktpersonen, auch die Hebamme, sollten geimpft sein." Eltern und Geschwister sollten vorbeugend Mundschutz tragen und die Kleinen nicht küssen, so Hartmann.

Wie viele Babys schon erkrankt sind, ist unklar. Tritt das Ereignis ein, stehen die Ärzte vor einem Dilemma: "Wir geben mit Bauchschmerzen Tamiflu, obwohl es keine handfesten Untersuchungen gibt, welche Dosis man einem Neugeborenen oder einem Säugling von drei Monaten geben kann", erklärt Berner. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMEA habe Tamiflu® für Säuglinge nur ausnahmsweise "unter der Bedingung einer Pandemie" zugelassen. Dem BVKJ zufolge dürfen Kinder jünger als ein Jahr gar nicht damit behandelt werden. "Wenn ein Säugling 40 Grad Fieber hat, muss man als Arzt abwägen, ob man Tamiflu® gibt oder möglicherweise einen schweren Verlauf mit Todesfolge in Kauf nimmt", sagt Berner. Eine Überwachung der kleinsten Grippe-Patienten auf der Intensivstation sei geboten. Die Gefahr einer Ansteckung im Mutterleib oder bei der Geburt sehen Experten nicht.

Die nachdrückliche Empfehlung einer Pandemrix®-Impfung für Schwangere wollen immer weniger Experten geben. Auch Berner sagt: "Wenn die Schwangere keine zusätzlichen Risiken hat, etwa starkes Übergewicht, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, würde ich keine aktive Impfempfehlung geben." Es sei unklar, welche Nebenwirkungen für das ungeborene Kind bestehen. "Wie sich Pandemrix im Mutterleib auf das Kind auswirkt, das weiß keiner."

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