Ärzte Zeitung, 04.12.2009

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Pandemrix für Schwangere ohne Probleme

Während Deutschland noch immer auf einen speziellen Schweinegrippe-Impfstoff wartet, wird in Schweden schon fleißig geimpft. Dort erhalten auch Schwangere Pandemrix® - und das ohne Probleme.

Von Michael Hubert

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Gegen Schweinegrippe geimpft und entspannt - nach Daten aus Schweden ist das auch für Schwangere kein Widerspruch.

Foto: Hannes Eichinger©www.fotolia.de

UPPSALA. Schon seit dem Sommer ist aus den USA bekannt, dass Schwangere ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe einer Erkrankung durch das neue H1N1-Virus haben. Die Centers for Diseases Control and Prevention (CDC) in Atlanta hatten daher schon früh die Konsequenzen gezogen: Schwangere mit Verdacht auf Schweinegrippe sollen umgehend einen Neuraminidasehemmer erhalten - eine Laborbestätigung der Infektion sei nicht abzuwarten, so die CDC (wir berichteten). Und ist eine Vakzine verfügbar, stehen Schwangere ganz oben auf der Impfliste in den USA, hieß es bereits im Mai.

Impfkommission hat Ärzte in ein Dilemma geführt

In Deutschland hat die Ständige Impfkommission (STIKO) ebenfalls eine Impfempfehlung für Schwangere ausgesprochen. Allerdings soll mit einem nicht-adjuvantierten Spaltimpfstoff geimpft werden. Beide derzeit verfügbaren Impfstoffe erfüllen diese Kriterien jedoch nicht. Das für die Bevölkerung georderte Pandemrix® enthält ein Adjuvanz, das für den Bund bestellte Celvapan® ist kein Spaltimpfstoff sondern ein Ganzvirusimpfstoff. Was tun mit Schwangeren - impfen oder abwarten?

Dieses offensichtliche Dilemma haben Robert-Koch-Institut (RKI) und Paul-Ehrlich-Institut (PEI) versucht zu lösen und in einer Stellungnahme dazu verdeutlicht: Bis ein STIKO-gemäßer Impfstoff verfügbar ist, sollen Schwangere "im Rahmen einer individuellen Nutzen-RisikoAnalyse" eine Erwachsenendosis Pandemrix® erhalten (wir berichteten). "In eine angemessene Nutzen-Risiko-Abwägung geht die epidemiologische Entwicklung der Neuen Influenza A (H1N1) sowie das individuelle Risiko einer Schwangeren, besonders das erhöhte Risiko für eine schwer verlaufende A (H1N1)-Erkrankung in Folge einer bereits bestehenden Grunderkrankung ein", so RKI und PEI. Zudem sollte ein mögliches erhöhtes Risiko für eine Schweinegrippe-Infektion, zum Beispiel durch ein weiteres Kind im Haushalt oder eine besondere berufliche Exposition, berücksichtigt werden.

Diese Nutzen-Risiko-Analyse fällt somit positiv aus etwa bei schwangeren Ärztinnen in Klinik oder Praxis und auch bei schwangeren Lehrerinnen. Aufgrund der genannten STIKO-Empfehlung (nicht-adjuvantiert, Spaltimpfstoff) und der noch immer tobenden Adjuvanz-Debatte dürfte davon auszugehen sein, dass gegen Schweinegrippe geimpfte Schwangere in Deutschland die absolute Ausnahme sind.

In Schweden ist das anders. Dort haben Ende November bereits 31 000 Schwangere eine Impfung mit Pandemrix® erhalten. Das berichtet die schwedische Arzneimittelagentur MPA auf ihrer Internetseite. Aufgrund des etablierten und gut funktionierenden Meldewesens in Schweden wird auch deutlich: Schwangere vertragen die Impfung ohne größere Probleme. So wurden durch Beschäftigte des Gesundheitswesens insgesamt 14 unerwünschte Wirkungen gemeldet, 9 davon wurden als schwerwiegend eingestuft - wie gesagt, bei insgesamt 31 000 geimpften Schwangeren.

31 000 Schwangere geimpft, 14 unerwünschte Wirkungen

Um welche schwerwiegenden Ereignisse geht es? Gemeldet wurden vier Spontanaborte, ein Fetus starb in der 24. Woche im Mutterleib. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und dem gemeldeten Ereignis sei in keinem dieser Fälle nachweisbar gewesen, so die MPA. Weitere als schwerwiegend eingestufte Einzelfälle waren Senkwehen, Herzrasen und Gesichtsparalyse. Und eine Schwangere hatte Unterleibsschmerzen, erhöhte Leberwerte und eine Thrombozytopenie. Unter den fünf weniger schweren Ereignissen finden sich etwa Muskelschmerzen, Urtikaria oder Fieber.

Auch insgesamt ist die Nebenwirkungsrate in Schweden gering: Bei zwei Millionen erfolgten Impfungen wurden von Medizinbeschäftigten 1000 unerwünschte Ereignisse gemeldet. Die Mehrzahl dieser Meldungen beziehe sich auf Reaktionen an der Einstichstelle oder grippeähnliche Symptome. Alles Reaktionen, die zu erwarten seien, so die schwedische Behörde.

Schweden und Deutschland - die Situation in den beiden Ländern erinnert schon etwas an einen Werbespot für ein Spülmittel: Während Schweden schon lange feiert (impft), wird in Deutschland noch immer debattiert.

Lesen Sie dazu auch:
Was nimmt Schwangeren die Angst vor der Schweinegrippe-Impfung?
Eine Impfung gegen Schweinegrippe reicht in jedem Alter

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[09.12.2009, 11:32:03]
Linda Labdas 
Kausaler Zusammenhang ?!
"Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und dem gemeldeten Ereignis sei in keinem dieser Fälle nachweisbar gewesen"...das ist doch das generelle Problem, diesen Zusammenhang nachzuweisen.Dies gilt aber ebenso für die an Schweinegrippe erkrankten Verstorbenen.
Ich würde mir oftmals eine neutralere Berichterstattung wünschen. Mancher Artikel über die Schweinegrippe klingt wie eine Werbeanzeige der entsprechenden Impfstoffhersteller.  zum Beitrag »
[07.12.2009, 21:59:13]
Dr. Ludwig Rogg 
Was passiert mit den Embryos?
Ob es vernünftig war Schwangere mit Pandemrix zu
impfen wird erst die Untersuchung der Neugeborenen zeigen. Für die Narkose bei Schwangeren im ersten Trimenon gelten jedenfalls strengere Auswahlkriterien als nur die Vermutung
"Es wird schon nichts passieren" für jedes angewandte Medikament.
Dr. L. Rogg (ehemaliger Chefarzt für Anästhesie) zum Beitrag »

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