Ärzte Zeitung, 10.02.2011

Herkunft und Bildung hatten Einfluss auf die H1N1-Impfrate in Schweden

Zwischen 40 und 90 Prozent der Einwohner Schwedens erhielten eine Impfung mit Pandemrix®. Gründe für eine niedrige Impfrate: geringer Bildungsgrad und eine nicht-schwedische Herkunft.

Von Michael Hubert

BERLIN. Bei rund 60 Prozent lag die Impfrate gegen die Schweinegrippe in Schweden. Dabei hat es große Unterschiede gegeben. Bildungsgrad und Herkunft hatten einen direkten Einfluss auf die Impfrate, berichtete Professor Ake Örtqvist vom Karolinska-Institut in Stockholm.

Der Epidemiologe präsentierte hierzu Daten etwa aus Göteborg. In einigen Stadtteilen lag die Impfrate von Kindern zwischen sechs Monaten und fünf Jahren bei 40 bis 50 Prozent, in anderen hingegen bei 90 bis 100 Prozent.

"Die Stadtteile mit niedriger Impfrate werden hauptsächlich von Menschen mit geringem Einkommen bewohnt", so Örtqvist bei der internationalen Konferenz "Controversies in Vaccination in Adults" in Berlin. Einkommen gilt gemeinhin als Surrogatparameter für Bildung. In diesen Stadtteilen sei zudem der Anteil von Migranten deutlich höher als im Durchschnitt. Bei künftigen Kampagnen müssten diese Ergebnisse berücksichtigt und die Kommunikation entsprechend angepasst werden.

Als einen Grund für die hohen Impfraten in seinem Land nannte Örtqvist: "Die Schweden sind bekannt dafür, das zu tun, was man ihnen sagt." Diese Aussage spiegelt auch ein hohes Maß an Vertrauen in die schwedischen Gesundheitsinstitutionen wider.

Und das wiederum zeigt sich darin, dass sich über 30.000 Schwangere in Schweden haben impfen lassen - und zwar mit dem in Deutschland generell wegen seines Adjuvans angegangenen Impfstoffs Pandemrix®. "Bei den Kindern dieser geimpften Frauen ist es bisher zu keinen Auffälligkeiten gekommen", sagte Örtqvist auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung".

Die Untersuchung laufe derzeit noch, mit den Ergebnissen sei Anfang 2012 zu rechnen.

Örtqvist räumte ein, dass auch in Schweden nicht alles optimal verlaufen sei. So habe etwa die Erkenntnis, dass eine Impfdosis ausreichend sei, auch in Schweden zu Konfusion bei den Ärzten geführt. Und vor allem zu Beginn der Impfkampagne konnte die Nachfrage nach Impfstoff nicht befriedigt werden.

Bilder von Schlangen vor den schwedischen Impfstellen waren auch in Deutschland zu sehen. Diese scheinbare Impfstoffknappheit habe in der Bevölkerung und auch bei Ärzten zu Frust geführt. Wie andere Experten auch sagte Örtqvist, der Einfluss der Impfung auf den Verlauf der Pandemie wäre deutlich größer gewesen, wäre die Vakzine drei Wochen früher verfügbar gewesen.

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