Ärzte Zeitung, 24.03.2004

Ein Cocktail von vier Antibiotika hält Tb-Erreger in Schach

Haben sich in der Lunge noch keine Kavernen gebildet, genügt oft eine Therapie über sechs Monate / Noch kein serologischer Test vorhanden

BERLIN (mut). Wird eine Tuberkulose (Tb) rechtzeitig erkannt, läßt sich nicht nur vermeiden, daß sich weitere Personen anstecken. Auch die Behandlung mit einem Cocktail aus mehreren Antibiotika kann um Monate verkürzt werden.

Blutiges Sputum, starker Gewichtsverlust und seit vier Monaten starker Husten - soweit muß es eigentlich nicht kommen. Mit einer Röntgenaufnahme und dem mikroskopischen Nachweis der säurefesten Tuberkulosebakterien kommen Ärzte einer Lungentuberkulose schnell auf die Spur, sagt der Pneumologe Hartmut Lode aus Berlin. Einen validen serologischen Test gibt es allerdings noch nicht. Darauf weist das Robert-Koch-Institut in Berlin hin.

Als schneller Nachweis für eine extrapulmonale Tb kann der Tuberkulin-Test dienen, allerdings schließt ein negatives Testergebnis hierbei eine Tb nicht aus. Zur endgültigen Klärung und zur Resistenzanalyse muß der Erreger schließlich in Flüssigkultur zwei Wochen lang angezüchtet werden. Dazu können Sputum, Bronchialsekret, oder auch Proben aus Magensaft, Urin, Pleuraexsudat sowie Biopsieproben verwendet werden.

Da bei Therapiebeginn noch unklar ist, ob Resistenzen vorliegen, wird in Deutschland sicherheitshalber immer mit einer Vierfachtherapie begonnen, sagte Lode zur "Ärzte Zeitung". "Liegt das Ergebnis der Resistenzanalyse nach zwei Wochen vor, weiß man, ob man mit drei oder vier Antibiotika weitermachen muß", so der Pneumologe. Standard bei der Initialtherapie sind die Medikamente Isoniazid, Rifampicin und Pyrazinamid. Hinzu kommt für die Vierertherapie entweder Streptomycin oder Ethambutol. Bei Kindern wird auf das vierte Antibiotikum verzichtet, sofern kein Verdacht auf eine Resistenz vorliegt.

Empfohlen wird die Initialtherapie über eine Zeit von zwei Monaten, gefolgt von einer Therapie mit Isoniazid und Rifampicin über mindestens vier weitere Monate.

Bei einer offenen, kavernösen Tuberkulose, die sich in Röntgenaufnahmen gut erkennen läßt, ist in der Regel eine Gesamtdauer der Therapie von neun bis zwölf Monaten nötig. Brechen die Patienten die Therapie vorher ab, besteht das Risiko, daß die Krankheit erneut ausbricht - und die Erreger gegen die verwendeten Medikamente resistent sind. Günstiger ist es daher, so Lode, wenn die Tuberkulose rechtzeitig erkannt wird und sich noch keine Kavernen in der Lunge gebildet haben. Dann reicht oft eine Therapie mit dem Antibiotika-Cocktail über eine Zeit von sechs Monaten.

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