Forschung und Praxis, 17.05.2005

Keine Entwarnung bei Tuberkulose in Deutschland

Deutliche regionale Unterschiede bei der TB-Inzidenz

Trotz rückläufiger Meldezahlen bei der Tuberkulose (TB) in Deutschland kann nicht von einer Entwarnung gesprochen werden. Denn zum einen gibt es auch in Deutschland deutliche regionale Unterschiede der Inzidenzen, und zum anderen steigen die Raten resistenter Erreger an, sagte Privatdozent Walter Haas vom Robert-Koch-Institut in Berlin.

"Wir können es uns nicht leisten, Patienten mit Tuberkulose nicht oder zu spät zu therapieren", warnte Haas. Zudem liege die Zahl der Patienten, die erfolgreich ihre Behandlung abschließen, in Deutschland bei 77,4 Prozent, sagte Haas. Somit werden die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die 85 Prozent Abschluß der Therapie oder Heilung fordert, nicht erreicht.

Deutlich höhere Patientenzahlen in Stadtstaaten und Ballungsräumen

Im Gegensatz zu den Entwicklungsländern ist die TB-Inzidenz in den meisten Industrienationen zwar rückläufig - sie beträgt in Deutschland inzwischen 8,7 pro 100 000 Einwohner (7184 Patienten). Und Deutschland könne somit zurecht als ein Niedrig-Inzidenz-Land eingestuft werden, so Haas.

Aber auch hierzulande gebe es deutliche regionale Unterschiede. So seien besonders in den Stadtstaaten und in den Ballungsräumen die Patientenzahlen deutlich höher, was vor allem auf die dort stattfindende Migration und den internationalen Austausch zurückzuführen sei. Hamburg weise mit zwölf pro 100 000 die höchste und Schleswig-Holstein mit fünf pro 100 000 die niedrigste Inzidenz auf.

Welchen Stellenwert der internationale Austausch hat, wird daran deutlich, daß bei Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit die TB-Inzidenz 31 pro 100 000 Einwohner beträgt. Zum Vergleich: Bei Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit liegt sie bei sechs pro 100 000.

Ein weiteres Problem ist die Resistenzsituation: Denn der Anteil von Erregern mit Resistenzen gegen mindestens eines der fünf TB-Medikamente der ersten Wahl sei kontinuierlich von elf Prozent im Jahr 2001 auf über 13 Prozent im Jahr 2003 gestiegen. "Diese Entwicklung müssen wir zumindest mit großer Aufmerksamkeit, vielleicht sogar mit Sorge betrachten", sagte Haas.

Zudem sei der Anteil von multiresistenten Erregern, die gegen die beiden wichtigsten Medikamente der ersten Wahl (Rifampicin und Isoniacid) resistent sind, zwischen 2,2 Prozent im Jahr 2001 und 2,1 Prozent im Jahr 2003 weitgehend konstant geblieben. Zahlen aus anderen westeuropäischen Ländern lägen hier bei etwa einem Prozent, so Haas. (otc)

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