Direkt zum Inhaltsbereich

Viele Alkoholkranke infizieren sich gegenseitig mit Tuberkulose

BERLIN (gvg). Bei etwa einem Drittel aller Tuberkulose-Neuinfektionen in Deutschland ist die Ansteckung wahrscheinlich innerhalb des Bundesgebietes erfolgt. Dabei ist die Gefahr einer Übertragung in unteren sozialen Schichten erhöht.

Veröffentlicht:

Das sind zwei Resultate einer molekularepidemiologischen Studie. In sechs Städten und Landkreisen sind dafür bei neu aufgetretenen Tuberkulose-Infektionen die genetischen Eigenschaften der Tuberkelbakterien analysiert worden.

Das Ergebnis: Etwa ein Drittel der Tb-Stämme kam bei mehreren Menschen vor. Das hat Professor Robert Loddenkemper vom Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose berichtet.

Eine solche Häufung heißt "Cluster". Eine Clusterbildung deutet auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch innerhalb Deutschlands hin, vor allem dann, wenn die Erkrankungen in räumlicher Nähe auftreten.

    Die Ansteckungsgefahr für Tb ist in Großstädten besonders hoch.
   

Zum Beispiel seien zwischen Oktober 2001 und März 2004 Cluster registriert worden, die bis zu 18 Patienten umfaßten, so Loddenkemper bei einer Veranstaltung des Robert-Koch-Institutes in Berlin. In Großstädten wie Hamburg kam dies häufiger vor als in ländlichen Gegenden, auch waren die Cluster in Städten durchschnittlich größer.

Die Ansteckungsgefahr hängt aber auch von der sozialen Schicht ab. Besonders hoch ist die Anfälligkeit in der unteren Schicht oder der unteren Mittelschicht. Hier traten 65 Prozent der Tb-Infektionen auf, bei denen die Stämme mehrfach nachgewiesen wurden. Bei den Infektionen mit isoliert auftretenden Stämmen waren es nur 55 Prozent.

Besonders augenfällig ist das bei Arbeitslosen und Alkoholkranken. So betrug bei den Patienten mit Cluster-Infektionen der Anteil der Arbeitslosen 18 Prozent. Damit lag er um ein Drittel höher als in der Gruppe mit isolierten Infektionen. Die Rate der Alkoholpatienten war mit 24 Prozent sogar fast doppelt so hoch.

Der Verdacht auf Tuberkulose kommt Ärzten eher, wenn ein Patient mit niedrigem Sozialstatus oder ein Ausländer vor ihnen steht. "Die Diagnose wird bei diesen Gruppen früher gestellt", Loddenkemper. Er empfahl, bei jedem Patienten, der länger als drei Wochen hustet, ein Röntgenbild zu machen. Wichtig sei auch die Frage nach einem Kontakt mit Tuberkulosepatienten.

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Änderungen im Überblick

So wirkt sich das GKV-Spargesetz auf Praxen aus

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Lesetipps
Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen

Schlange wartender Patienten am Praxisempfang

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Einschätzung von Kollegen

Wenn die Telefon-AU wegfällt: Was das für den Praxisalltag bedeutet