Ärzte Zeitung, 23.03.2007

TB-Resistenzen bleiben auch in Deutschland ein Problem

Morgen ist Welt-Tuberkulose-Tag / TB-Inzidenz in Deutschland erreicht neuen Tiefstand / Problem mit multiresistenten Keimen in Südafrika

BERLIN (mut). Die Zahl der an Tuberkulose (TB) neu erkrankten Menschen hat in Deutschland einen neuen Tiefstand erreicht. Zugleich ist jedoch der Anteil von Patienten mit multiresistenten Keimen gestiegen. Solche Keime werden in Ländern mit hoher HIV-Rate immer mehr zu einem Problem.

Ein Tuberkulose-Erreger (rot) wird von einem Makrophagen (grün) attackiert. Foto: MPI für Infektionsbiologie, Volker Brinkmann

Zum Welt-Tuberkulose-Tag am Samstag hat das Robert-Koch-Institut (RKI) die aktuellen Zahlen zur Tuberkulose-Inzidenz in Deutschland veröffentlicht. Sie beziehen sich auf das Jahr 2005. So erkrankten insgesamt 6045 Menschen neu an TB, das waren etwa 500 weniger als noch 2004. Die Inzidenz sank von 7,9 pro 100 000 Einwohner im Jahr 2004 auf 7,3 im Jahr 2005. Damit, so das RKI, habe sich der rückläufige Trend bei der TB-Inzidenz fortgesetzt.

Keine Entwarnung kann das Institut jedoch bei Resistenzen geben. So stagnierte 2005 zwar der Anteil der TB-Erreger, die gegen eines der Erstlinien-Medikamente resistent sind, mit 13,4 Prozent auf hohem Niveau. 2004 lag dieser Anteil bei 13,7 Prozent. Der Anteil multiresistenter Keime hatte jedoch erneut zugenommen: von 2,5 Prozent im Jahr 2004 auf 2,7 Prozent im Jahr 2005.

Wie im Vorjahr stammte knapp die Hälfte der Neuerkrankten aus dem Ausland, so das RKI (Epidem Bulletin 11, 2007, 87). Immerhin gab es 2005 auch einen Rückgang der TB-bedingten Todesfälle. Starben 2004 noch 236 Menschen (3,7 Prozent der Erkrankten) an TB, so waren es 2005 insgesamt 188 (3,1 Prozent).

Das RKI warnt jedoch davor, angesichts der rückläufigen Zahlen in Deutschland die Krankheit als Problem einiger weniger Länder mit hoher TB-Prävalenz zu betrachten. Gerade die weltweit immer häufiger auftretenden multiresistenten Stämme könnten auch eine Gefahr für Deutschland sein, wenn sie hierher eingeschleppt werden. So wurden auch in Deutschland in den vergangenen Jahren vereinzelt extrem multiresistente Stämme (XDR) nachgewiesen. Patienten mit solchen Keimen gelten als praktisch nicht therapierbar.

In Südafrika breitet sich ein XDR-Stamm derzeit unter HIV-Infizierten aus. Die Betroffenen sterben im Schnitt bereits innerhalb von zwei Wochen nach der Diagnose. Bisher wurden über 70 Todesfälle mit XDR-Stämmen in Südafrika registriert. Aufgrund von Schätzungen, nach denen etwa zehn Prozent der Patienten mit multiresistenten Erregern einen XDR-Stamm haben, gehen südafrikanische Experten davon aus, dass dort jedes Jahr etwa 600 Menschen an einem XDR-Stamm erkranken.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Tuberkulose ist ein globales Problem

STICHWORT

Tuberkulose-Resistenz

Bei jährlich etwa 300 000 Menschen, die neu an TB erkranken, sind die Erreger multiresistent, und zwar gegen die wichtigsten Erstlinien-Antibiotika Rifampicin und Isoniazid. Knapp 80 Prozent der Keime sind gegen mindestens drei gebräuchliche Mittel resistent. Als extrem multiresistent (XDR) gelten Keime, wenn sie sowohl auf Rifampicin und Isoniazid als auch auf Fluorchinolone nicht mehr ansprechen und resistent sind gegen Amikacin, Capreomycin oder Kanamycin. (mut)

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