Ärzte Zeitung, 09.06.2008

Ist Vitamin D nützlich im Kampf gegen Tb?

Niedrige Tuberkulose-Inzidenz bei hohen Vitamin-D-Spiegeln / Vitamin D beeinflusst Aktivierung von Makrophagen

WIESBADEN (ner). Vitamin D schützt womöglich bis zu einem gewissen Grade vor Tuberkulose. Sollten sich neue Studiendaten bestätigen, könnte dies helfen, die weltweiten Infektionen mit Mykobakterien zurückzudrängen, meint Professor Reinhard Berner vom Universitätsklinikum Freiburg.

Eine australische Studie habe ergeben, dass afrikanische Immigranten mit latenter Tuberkulose signifikant niedrigere Vitamin-D-Spiegel hatten als solche ohne Tuberkulose (Tb). 78 Prozent der Menschen mit latenter Tb hatten einen schweren Vitamin-D-Mangel (Clin Infect Dis 46, 2008, 443). Hohe Vitamin-D-Spiegel waren in der Studie mit 375 Teilnehmern mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit für eine Tb-Infektion assoziiert, berichtete Berner beim Pädiatrie Update in Wiesbaden.

Dass hohe Vitamin-D-Spiegel vor einer Tb oder vor einer Progression der Erkrankung schützen könnten, stützen nach Angaben des Kinderarztes und Infektiologen weitere Studienergebnisse. Demnach erhöht eine Dosis Vitamin D die Immunität gegen Mykobakterien in vitro. Vitamin D beeinflusse die Aktivierung von Makrophagen, die intrazelluläre Vermehrung von Mykobakterien werde verhindert oder reduziert.

In Afrika hat die Tuberkulose-Inzidenz erheblich zugenommen, vor allem dort, wo die HIV-Inzidenz sehr hoch ist. Für Industrieländer habe dies wegen der Migration von Menschen aus den Ländern Bedeutung, sagte Berner. Es sei zu hoffen, dass durch einfache und kostengünstige Vitamin-D-Ergänzung die Infektionsraten gesenkt sowie Millionen Todesfälle pro Jahr vermieden werden können. Entsprechende Studien seien bereits initiiert worden. "Aber auch in Deutschland sollten wir darauf achten, dass die Vitamin-D-Prophylaxe besonders von jenen Menschen betrieben wird, die ein vermehrtes Risiko für Tb haben", sagte Berner.

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