Tuberkulose bleibt in Deutschland ein Problem

BERLIN (mut). Die Zahl der Erkrankungen mit Tuberkulose (TB) geht zwar in Deutschland weiter zurück, aber der Betreuungsaufwand für die einzelnen Patienten steigt, so das Robert-Koch-Institut (RKI). Dringend nötig seien daher Arzneien, die die Behandlung verkürzen.

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Der Erreger der Tuberkulose, das Bakterium Mycobakterium tuberculosis. © Max-Planck-Gesellschaft

Der Erreger der Tuberkulose, das Bakterium Mycobakterium tuberculosis. © Max-Planck-Gesellschaft

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Nach soeben vorgestellten Zahlen zum Welttuberkulose-Tag erkrankten 2008 in Deutschland noch über 4500 Menschen an TB, 2007 waren es noch zehn Prozent mehr (wir berichteten). Nach neuen, noch vorläufigen Zahlen setzte sich dieser Trend im vergangenen Jahr fort: So wurden für 2009 dem RKI bislang 4390 TB-Erkrankungen gemeldet (Epidem Bul 3, 2010, 29). Von einer Entwarnung wagt jedoch schon deswegen keiner zu sprechen, weil der Aufwand für Betreuung und Therapie der einzelnen Patienten steigt, so das RKI. Ein Grund dafür sei, dass TB sich zunehmend auf besonders vulnerable Gruppen wie Drogenabhängige, Alkoholkranke, Häftlinge, Obdachlose oder Migranten beschränkt. Diese Gruppen entziehen sich oft einer medizinischen Versorgung und sind nur schwer für die erforderliche Langzeit-Antibiose zu gewinnen.

Hinweise auf Risikogruppen gibt auch der aktuelle TB-Bericht des RKI. So ist die TB-Inzidenz unter ausländischen Mitbürgern mehr als fünfmal so hoch wie unter Bürgern mit deutscher Staatsangehörigkeit. Der Hauptteil der ausländischen TB-Kranken kommt aus der Türkei und Osteuropa. Insgesamt haben 44 Prozent der TB-Kranken einen Migrationshintergrund. Erfreulicherweise ist der Anteil der Patienten mit resistenten Erregern konstant geblieben und liegt bei knapp 12 Prozent, der Anteil der TB-Kranken mit multiresistenten Erregern ist sogar innerhalb eines Jahres von 2,0 auf 1,5 Prozent gesunken. Dies lässt auf eine bessere Erfolgsquote bei der Behandlung schließen. So wurden im zuletzt ausgewerteten Jahr 2007 vier von fünf TB-Patienten ohne Resistenzen erfolgreich behandelt, bei multiresistenten Stämmen lag die Erfolgsquote jedoch nur bei knapp 60 Prozent.

Eine bessere Therapie wäre mit modernen Fluorchinolonen möglich, vermutet das RKI. Diese werden bislang jedoch erst in klinischen Studien oder bei Versagen der Standardtherapie verwendet. Mit den neuen Mitteln ließe sich die mehrere Monate dauernde Antibiose verkürzen und somit die Compliance verbessern.

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