Ärzte Zeitung, 15.12.2015

Mehr Erkrankte

Neue Gefahr durch Tuberkulose

In Deutschland hat es auch im vergangenen Jahr wieder mehr Tuberkulose-Patienten gegeben, berichtet das Robert Koch-Institut. Die Experten appellieren an Ärzte, weil sie für die Zukunft noch mehr Erkrankungsfälle erwarten.

Von Wolfgang Geissel

Neue Gefahr durch Tuberkulose

Tuberkulose-Screening per Röntgen bei Flüchtlingen ist aufwändig, aber ohne Alternative.

© Rainer Jensen / dpa

BERLIN. Tuberkulose (TB) ist selten in Deutschland, die Krankheit darf aber nicht unterschätzt werden, betont das Robert Koch-Institut (RKI) im gerade erschienenen "Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2014".

Probleme bereiten steigende Erkrankungszahlen, resistente TB-Erreger sowie ein hoher Anteil offener und damit infektiöser Lungentuberkulosen.

Tuberkuloe konzentriert sich zunehmend in Risikogruppen, so der Bericht. So traten von den 4488 Neuerkrankungen im Jahr 2014 fast zwei Drittel (62 Prozent) bei Patienten mit Migrationshintergrund auf und damit in einer Gruppe, deren Zahl stark wächst.

Die TB-Rate liegt bei Menschen mit ausländischen Wurzeln mehr als 13-mal so hoch wie in der deutschstämmigen Bevölkerung (33,6 vs 2,5/100.000 Einwohner). Zu den häufigsten Herkunftsländern zählen Somalia, Türkei und Rumänien, so das RKI in dem Bericht.

TB-Inzidenz bei Kindern hat abgenommen

Unter den deutschstämmigen Patienten gibt es einen Erkrankungsgipfel bei über 80-Jährigen, was auf Reaktivierungen latenter TB-Infektionen zurückzuführen ist. Auch hier sind wegen der demografischen Entwicklung in Zukunft mehr Erkrankungsfälle zu erwarten.

Insgesamt waren 2014 von den TB-Patienten 2,3 Prozent gestorben, wobei das Sterberisiko mit dem Alter steigt: Bei den unter 40-Jährigen gab es überhaupt keine Todesfälle.

Erfreulich war auch, dass die TB-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen abgenommen hat, von 1,6 auf 1,5 pro 100.000 Kinder bis 15 Jahre.

Drei von vier Patienten hatten 2014 eine Lungentuberkulose (3378 Fälle), wobei die meisten (2698) mit einer offenen TB infektiöse waren.

Sorgen bereiten dem RKI dabei die resistenten Erreger: 13,2 Prozent der isolierten Keime waren mindestens gegen eins der Standardmedikamente resistent, 3,0 Prozent multiresistent gegen Rifampicin und Isoniazid (MDR-TB).

Auch gab es neun Fälle von extensiv resistenter TB (XDR-TB). Resistente Keime gibt es besonders häufig bei Patienten aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Screening bei Flüchtlingen wichtig

Sehr wichtig sind Umgebungsuntersuchungen von Menschen im Umfeld von TB-Kranken, so das RKI. Bei fast jedem fünften Betroffenen (19 Prozent) wurde 2014 die Krankheit im Rahmen einer solchen aktiven Fallfindung diagnostiziert; besonders häufig waren dies Kinder (42 Prozent).

Ebenso wichtig bleibt das Screening bei Asylsuchenden; hierbei wurden vergangenes Jahr 375 TB-Erkrankungen entdeckt.

Das RKI hat kürzlich betont, dass das Risiko, sich bei einem Flüchtling mit TB anzustecken, gering ist. Die Maßnahme zielt vor allem auf den Schutz der Menschen selbst ab.

"Darüber hinaus ist es wichtig, dass das Wissen und die praktische Erfahrung im Umgang mit Tuberkulose erhalten bleiben und durch entsprechende Aus- und Fortbildungen in Studium und Beruf gefördert werden", betont das RKI abschließend. Erste Initiativen hierzu gibt es bereits.

So wurden im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) bundesweit bereits elf ASV-Teams für die Indikation TB gebildet, hieß es kürzlich bei einem Symposium des privaten Krankenversicherers DKV in Köln.

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