Ärzte Zeitung, 07.11.2005

Taucht H5N1 in Deutschland auf, sind erstmal Veterinäre gefragt

Diskussion am Niedersächsischen Kompetenzzentrum über Pandemieplan

HANNOVER (grue). Noch ist die Vogelgrippe nicht da, und selbst wenn sie kommt, ist das Infektionsrisiko für Menschen extrem niedrig. Sollte sich das Virus jedoch genetisch verändern und sich dann rasch unter Menschen ausbreiten, tritt der Deutsche Pandemieplan in Kraft.

Noch ist kein Vogel in Deutschland aufgetaucht, der mit der Vogelgrippe-Variante H5N1 infiziert wäre, und noch scheint das Virus zwischen Menschen nicht übertragbar zu sein. Dennoch: Die Menschen haben Angst. Woher kommt diese Angst?

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Ob es tatsächlich nötig war, das deutsche Vorgehen für den hypothetischen Fall einer Grippe-Pandemie bis ins Detail festzulegen, wurde auf einem Forum des Niedersächsischen Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft (NieKE) diskutiert. "Denn festlegen ist eine Sache, die Realisierung eine andere", gab Professor Adolf Windorfer vom Landesgesundheitsamt aus Hannover zu bedenken.

Fakt ist, daß der für Vögel und Geflügel gefährliche Grippevirus-Typ H5N1 in Asien Millionen Vögel getötet hat. In den vergangenen acht Jahren haben sich außerdem 122 Menschen nach engem Tierkontakt mit dem Erreger infiziert, 62 sind an den Folgen der Infektion gestorben.

Robert-Koch-Institut berechnet Erkrankungsrate bei Pandemie

Sollte sich das Virus allerdings durch Mutation zu einem hochinfektiösen humanpathogenen Erreger entwickeln, droht eine Pandemie. Deren Folgen für Deutschland hat das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits exakt berechnet: Bei einer Erkrankungsrate von 30 Prozent würde eine achtwöchige Grippewelle fast 100 000 Menschen das Leben kosten, vorausgesetzt, es wird keinerlei Prophylaxe oder Therapie angeboten.

Ein Schreckens-Szenario, das jeder Grundlage entbehrt? "Grippe-Pandemien sind historische Tatsachen und wurden auch bei der Spanischen Grippe 1918 ursprünglich durch ein Vogelvirus ausgelöst", argumentierte Dr. Udo Buchholz vom RKI. Nicht einmal Abwarten sei gerechtfertigt. "Die Vorbereitung beginnt jetzt!" Arbeitsschutz, Risikokommunikation, Impfstrategien, medikamentöse Prophylaxe, Therapiepläne - alles liegt fertig in der Schublade. Wir befinden uns bereits in einer Warn-Phase, für die es genaue Handlungsanweisungen gibt, ebenso wie für die Prä-, Akut- und Post-Pandemiephase.

Alles gründlich geplant, aber wenig praktikabel, bemängelte Windorfer. Statt über Notfallpläne für die Gesamtbevölkerung zu brüten, sollte man sich zunächst um den kleinen Kreis der primär Gefährdeten kümmern. Das sind außer Geflügelhaltern auch Feuerwehr und Katastrophenschutz, die die Massentötung infizierter Tiere zur Eindämmung der Erreger übernehmen müssen.

Sollte H5N1 tatsächlich in Deutschland auftauchen - was bei der intensiven Suche nach verendeten Wildvögeln zu erwarten ist - sind ohnehin zunächst Veterinäre gefragt. Sie werden am Tag X vermutlich vorsorgliche Tiertötungen anordnen. Umfang und Reichweite der Maßnahmen seien aber recht unklar, beklagt Professor Thomas Blaha von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Monitoring garantiert schnelle Diagnose bei Geflügel

Ungeachtet dessen garantieren die im NieKE vertretenen Verbände der Deutschen Geflügelwirtschaft, daß sie "Maßnahmen der Biosicherheit kompromißlos durchsetzen" werden. Sie verweisen auf das vorbildliche Monitoring bei Geflügel, das eine schnelle Diagnose garantiert. Das Töten aller Tiere eines Bestandes könnte innerhalb von 48 Stunden umgesetzt werden. Immer vorausgesetzt, alle arbeiten Hand in Hand.

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