Ärzte Zeitung, 21.02.2006

Trotz Katastrophenalarms: Gefahr durch H5N1 für Menschen gering

Wachsamkeit bleibt das A und O nach Kontakt mit infiziertem Geflügel

NEU-ISENBURG (eb). Auch wenn inzwischen in mehreren Landkreisen Norddeutschlands wegen der Vogelgrippe Katastrophenalarm gegeben worden ist, warnen Experten weiterhin vor Panik. "Es ist in erster Linie eine Tierseuche", betont etwa Martin Meißner, Leiter des Veterinäramtes Jena-Saale-Holzland. "Das dürfen wir nicht vergessen. Von einem Killervirus kann keine Rede sein", so Meißner.

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Ein Bundeswehrsoldat desinfiziert als Maßnahme gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe auf der Insel Daenholm einen Lkw. Foto:ddp
H5N1, Vogelgrippe, Influenza-Pandemie. Worum geht es dabei? Die wichtigsten Fragen und Antworten >>>

Erst kürzlich haben Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) empfohlen: Hatten Menschen tatsächlich Kontakt mit möglicherweise infiziertem Geflügel, sei die wichtigste Maßnahme danach Wachsamkeit.

Eine weitergehende Diagnostik bei Patienten mit Grippe-Symptomen sei nur bei klinisch schweren Verläufen indiziert und müsse spezialisierten Zentren vorbehalten bleiben. Der Grippeschnelltest kann zwar nicht H5N1 erkennen. Er kann aber zwischen Influenza A und B differenzieren - H5N1 ist ein Influenza-A-Virus.

Das RKI rät davon ab, Neuraminidase-Hemmer, die bei einer Infektion von Menschen mit dem Vogelgrippe-Virus den Krankheitsverlauf abschwächen könnten, auf Vorrat zu verschreiben.

Es bestünde die Gefahr, daß Patienten die Mittel schon bei einer gewöhnlichen Erkältung einnähmen oder bei einer normalen Influenza in zu geringer Dosierung. Das könnte die Bildung von Resistenzen gegen gewöhnliche Grippeviren fördern.

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Geflügelimpfung bleibt tabu - sie könnte gefährliche Virus-Varianten begünstigen

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