Ärzte Zeitung, 23.03.2006

KOMMENTAR

Wege zur Pandemie werden entschlüsselt

Von Thomas Müller

Schritt für Schritt entschlüsseln Forscher nun die Funktionsweise des Vogelgrippevirus, vergleichen die Daten mit denen von menschlichen Grippeviren und versuchen, daraus die Pfade zu entschlüsseln, auf denen sich das Tiervirus in ein menschliches Pandemievirus verwandeln könnte.

Das sind jedoch nicht nur akademische Gedankenspiele, es geht darum, für Menschen gefährliche Veränderungen beim H5N1-Virus schnell zu erkennen und die Ausbreitung solcher Mutanten mit drastischen Maßnahmen zu stoppen.

Nach welchen Veränderungen die Forscher schauen müssen, ist jetzt weitgehend klar. Gelingt es H5N1, gut an Rezeptoren für menschliche Grippeviren zu binden, läßt es sich möglicherweise ebenso leicht verbreiten wie Human-Grippeviren, denn dann, so haben US-Forscher herausgefunden, kann es auch die oberen Atemwege infizieren und leicht ausgehustet werden. Das würde nicht zwangsläufig zu einer Pandemie führen, könnte aber ein entscheidender Schritt dahin sein.

In Versuchen ließ sich H5N1 nicht gut an Menschen anpassen. Wir sollten uns aber deswegen nicht in Sicherheit wiegen, sondern akribisch schauen, was mit dem Virus in der Natur geschieht.

Lesen Sie dazu auch:
Ein Rätsel um Vogelgrippe gelöst

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