Ärzte Zeitung, 20.03.2008

KOMMENTAR

Halbherziges Vorgehen gegen TB

Von Thomas Müller

Mit guten Absichten und wohl klingenden Worten lassen sich TB-Bakterien nicht beeindrucken. Darauf weist auch die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem neusten Tuberkulose-Bericht hin. Es sind nun mal einige Milliarden Euro nötig - genau genommen zwei Milliarden Euro pro Jahr - will man mit dem ehrgeizigen Ziel ernst machen, die globale Tuberkulose-Prävalenz bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Das klingt nach viel Geld, letztlich sind das aber nur 50 Cent pro Erdbewohner und Jahr. Doch selbst diese Summe lässt sich kaum auftreiben - in den Jahren 2007 und 2008 fehlen ein Drittel der nötigen Mittel, die das "Stopp-TB-Programm" veranschlagt hat. Dabei weist das im Jahr 2000 gestartete Programm, an dem sich die meisten Länder mit TB beteiligen, trotz allen Widrigkeiten erste Erfolge auf: Die globale TB-Inzidenz geht nun schon drei Jahre in Folge leicht zurück - in den 90er Jahren war sie noch steil gestiegen.

Dieser Erfolg darf jedoch nicht gefährdet werden, indem die Bemühungen zur Eindämmung der TB wieder nachlassen. Aber genau das stellt die WHO nun fest. Nicht nur werden die geforderten Mittel zurückgehalten, auch hat sich der Anstieg bei den TB-Diagnosen seit dem letzten Report halbiert, und dass, obwohl die Zahl der TB-Kranken einen neuen Rekord erreicht hat. Setzt sich dieses halbherzige Vorgehen fest, dann ist damit zu rechnen, dass die globale TB-Inzidenz bald wieder steigt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »