Direkt zum Inhaltsbereich

Neue Vogelgrippe

Erste Tote, aber keine Epidemie

In China sind bereits über 30 Menschen am neuen Vogelgrippevirus H7N9 erkrankt. Bisher deutet aber alles auf Einzelfälle - eine Infektion von Mensch zu Mensch ließ sich nicht beobachten.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
WHO-Vertreter Michael O'Leary bei einer Pressekonferenz zur neuen Vogelgrippe.

WHO-Vertreter Michael O'Leary bei einer Pressekonferenz zur neuen Vogelgrippe.

© Scheuer / dpa

PEKING. Der Täter ist identifiziert, wo er sich aufhält, weiß aber niemand - und das ist derzeit ein großes Problem. Um zu verhindern, dass sich weitere Menschen über infizierte Vögel mit dem neuen H7N9-Virus anstecken, müsste man erst einmal wissen, wie weit das Virus derzeit verbreitet ist und welche Vögel es übertragen.

Doch die infizierten Vögel geben ihr Geheimnis nicht preis, indem sie wie bei H5N1 tot umfallen - sie bleiben im Gegensatz zu infizierten Menschen unauffällig.

Immerhin haben nun Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang angekündigt, das Problem zur Chefsache zu machen, und die Eindämmung des Erregers gefordert, auch wenn noch unklar ist, wie das gelingen kann.

Die WHO rät in einem ersten Schritt zu Massentests in der Wildvogel- und Geflügelpopulation. Einige Provinzen Chinas wollen H7N9 zudem mit einer groß angelegten Impfaktion unter Vögeln bekämpfen.

Da es noch keinen spezifischen Impfstoff gegen das Virus gibt, hoffen sie, dass Vakzinen gegen andere Vogelgrippestämme einen gewissen Schutz bieten, was allerdings sehr ungewiss ist. So sollen etwa 90.000 Tauben in der ostchinesischen Stadt Hangzhou geimpft werden, nachdem das Virus vereinzelt bei Tauben nachgewiesen worden ist.

Reiseanamnese bei Pneumonien

Die Behörden in China sind nun auch dabei, den Verlauf der bisherigen Humaninfektionen besser zu rekonstruieren und ältere Fälle von schweren Pneumonien zu untersuchen.

So sind die ersten Menschen offenbar schon Mitte Februar erkrankt - diese Untersuchungen sind auch ein Grund dafür, dass die Zahl der bekannt gewordenen Infektionen fast täglich steigt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang aber nicht beobachtet - eine Epidemie ist derzeit wohl nicht zu befürchten.

Dennoch ist die Entwicklung eines präpandemischen Impfstoffs angelaufen. Sowohl China als auch die US-Behörde CDC wollen in den nächsten Wochen Saatviren für eine Humanvakzine herstellen.

Ein Grund für die Eile könnten auch Beobachtungen sein, wonach H7N9 deutlich leichter Humanzellen infiziert als H5N1. Dies ließ Dr. Nancy Cox, Direktorin der Influenza-Sektion der CDC, durchsickern.

Deutschen Ärzten rät das Robert Koch-Institut zur Wachsamkeit. Es rät bei allen schweren Fällen von Pneumonie zu einer Reiseanamnese, und zwar nicht nur bei Betroffenen, sondern auch bei engen Kontaktpersonen. Zudem sollten Ärzte dann auch den Erreger abklären.

Lesen Sie dazu auch: Neue Vogelgrippe H7N9: Die Welt blickt besorgt nach China Neue Vogelgrippe: Erste Tote, aber keine Epidemie Kommentar zur Vogelgrippe: Aus Fehlern gelernt

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Potenzielle Über- und Untertherapie

Medikation des Typ-2-Diabetes wird im Alter zu selten angepasst

Lesetipps
Lipoprotein(a)-Partikel

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Cholesterin

Intensive LDL-Senkung bei hohem Lp(a): Warum das schwierig werden kann

Petechien, also kleine Einblutungen in die Haut, an einem Bein.

© Robert Yap / stock.adobe.com

Frühe Warnzeichen

Bei diesen Hautbefunden auch an Hantavirus denken

Nahaufnahme einer Ärztin, die die Schilddrüse einer Patientin mit einem Ultraschallgerät untersucht.

© [M] artem_goncharov / stock.adob

Best-Practice-Empfehlungen

Erhöhtes Schilddrüsenkrebs-Risiko unter GLP-1-RA-Therapie?