Ärzte Zeitung, 05.09.2013

Vogelgrippe

H7N9 springt gelegentlich von Mensch zu Mensch

Das neue Vogelgrippevirus H7N9 kann bei engem Kontakt auch zwischen Menschen übertragen werden, berichten Forscher aus China. Das passiert jedoch sehr selten.

Von Thomas Müller

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Markthalle in Peking: Enger Kontakt zu Geflügel ist wahrscheinlich eine H7N9-Infektionsquelle.

© Stephan Scheuer / dpa

NANJING. Epidemiologische Untersuchungen hatten schon früh den Verdacht recht nahegelegt, das im Frühjahr in China aufgetauchte H7N9Virus könne zwischen Menschen übertragen werden. Schließlich hatten sich vereinzelt auch Angehörige von Erkrankten infiziert, ohne dass sie mit Geflügel in Kontakt gekommen waren.

Eine Untersuchung von Virologen, Epidemiologen und Ärzten aus Nanjing in China scheint diesen Verdacht nun zu bestätigen. Im "Britisch Medical Journal" (2013; 347: f4752) berichten sie über eine 32-jährige Frau, die sich praktisch nur bei ihrem erkrankten Vater angesteckt haben kann.

Der Vater, ein 60-jähriger Rentner, erkrankte am 8. März, nachdem er Anfang März auf einem Markt sechs Wachteln gekauft und für die Großfamilie zubereitet hatte.

Drei Tage später musste er aufgrund eines akuten Atemnotsyndroms (ARDS, acute respiratory distress syndrome) ins Krankenhaus gebracht werden.

Dort verschlechterte sich sein Zustand trotz Antibiotikabehandlung und später trotz antiviraler Therapie weiter. Am 18 März wurde er aus diesem Grund in eine andere Klinik transferiert.

Viren genetisch untersucht

Bis zu diesem Zeitpunkt kümmerte sich seine Tochter regelmäßig um ihren Vater, auch in der Klinik, wo sie ohne Schutzvorkehrungen etwa den Auswurf beseitigte oder sich um die Mundhygiene kümmerte.

Erst als der Vater am 15. März auf die Intensivstation kam, wurde der Kontakt auf eine halbe Stunde pro Tag begrenzt, und die Tochter musste nun eine Schutzmaske tragen.

Am 21. März erkrankte die Tochter ebenfalls und starb einen Monat später an Multiorganversagen, ihr Vater erlag Anfang Mai der Influenza-Infektion.

Genetisch Untersuchungen ergaben sowohl beim Vater als auch bei der Tochter ein weitgehend identisches H7N9-Virus. Zudem wurden Proben von Geflügel auf dem Markt genommen, auf dem der Vater eingekauft hatte.

Auch hier wurden die Forscher fündig und isolierten einen H7N9-Stamm, der deutliche Ähnlichkeit mit den Virenstämmen der beiden Patienten aufwies, aber auch klare Unterschiede.

Ärzte und Epidemiologen versuchten nun sämtliche Kontaktpersonen der beiden Erkrankten zu identifizieren. 43 Personen wurden ermittelt, es ließen sich jedoch bei keiner einzigen Antikörper gegen H7N9 nachweisen.

Übertragung auf Tochter vermutet

Außer dem Ehemann der erkrankten Frau hatte auch keine der Personen über Fieber oder andere Infektionssymptome geklagt. Beim Ehemann trat ein leichtes Fieber auf, er wurde sofort mit Oseltamivir behandelt, doch auch hier war der Antikörpertest negativ.

Aus diesen Indizien schließen die Forscher um Xian Qi, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Übertragung des Virus vom Vater auf die Tochter stattgefunden hat: Zum einen wurde auf dem Geflügelmarkt, den der Vater, nicht aber die Tochter besucht hatte, ein H7N9-Virus mit deutlicher Ähnlichkeit zum Virus der beiden Erkrankten isoliert.

Zum anderen waren die Virenstämme der beiden Infizierten praktisch identisch. Eine andere Quelle als den Vater konnten die Forscher weitgehend ausschließen. Offenbar hatte sich das Geflügelvirus im Vater leicht verändert und wurde als Kopie auf die Tochter übertragen.

Keine nachhaltige Ausbreitung

Beruhigend ist allerdings, dass der Virustransfer wohl weiterhin sehr schwierig ist. Wenn es in Einzelfällen zu Übertragungen zwischen Menschen kommt, dann wohl vor allem durch den engen Kontakt mit Sekreten und Ausscheidungen Infizierter, und nicht, weil das Virus plötzlich leichter übertragbare Varianten bildet.

Die Hürden für eine nachhaltige Ausbreitung in der menschlichen Population konnte der Erreger bisher nicht überwinden.

Bis heute sind 134 Erkrankungen mit H7N9 bei Menschen durch Laboruntersuchungen bestätigt worden, 43 Infizierte starben.

Das Virus ist seit Ende Mai allerdings weitgehend verschwunden. Nur noch vereinzelt werden in China Neuinfektionen beobachtet, zuletzt wurde der WHO am 20. Juli eine weitere Infektion gemeldet.

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