Ärzte Zeitung, 16.08.2013

Vogelgrippe

Tödliches H7N9-Virus könnte sich über Stuhl verbreiten

PEKING. Die tödliche Vogelgrippe H7N9 könnte sich auch über menschliche Fäkalien ausbreiten. Bisher war man davon ausgegangen, dass sich Menschen hauptsächlich bei Geflügel mit dem Erreger ansteckten.

Forscher um den Mikrobiologen Yuen Kwok-yung von der Universität Hongkong wiesen das Virus jetzt jedoch im Stuhl infizierter Patienten nach (Clin Infect Dis 2013, online 13. August).

Yuen Kwok-yung warnte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa vor einem weiteren Ausbruch des Erregers: "Es gibt ein großes Risiko, dass das H7N9 Virus im Winter wiederkommt."

Die Vogelgrippe H7N9 war im März das erste Mal bei Menschen in China nachgewiesen worden. In den vergangen Monaten galt der Erreger jedoch als weitgehend eingedämmt.

Am Sonntag starb nach Auskunft der Gesundheitsbehörden jedoch erstmals seit Wochen wieder ein Mensch an H7N9. Damit haben die Behörden insgesamt 136 mit dem Virus infizierte Menschen registriert. 45 von ihnen starben.

Das Forscherteam hatte insgesamt zwölf Patienten auf den Erreger H7N9 getestet, von denen die Hälfte an dem Virus gestorben war.

Nach dem Tod wiesen die Wissenschaftler H7N9 im Stuhl von vier der sechs Gestorbenen nach. Zudem fanden sie es im Stuhl von zwei der sechs untersuchten überlebenden Patienten.

Bei der hochinfektiösen Lungenkrankheit Sars vor zehn Jahre in China hatte sich das Virus unter anderem über verunreinigte Toiletten verbreitet.

"Unsere Befunde deuten nicht direkt auf eine gleiche Übertragung wie bei Sars hin", sagte Yuen Kwok-yung. "Aber solch eine Möglichkeit muss immer in Betracht gezogen werden."

[27.08.2013, 12:58:13]
Dr. Horst Grünwoldt 
Tödliches Virus?
Wenn Mikrobiologen ein "tödliches" Virus -zumal im Stuhlgang- nachweisen, ist Vorsicht bei der Interpretation des Befundes geboten. Besonders nach der Warnung des Chinesen Kwok-yung, daß der Erreger der Vogelgrippe H7N9 nach neuerlichem "Ausbruch" im Winter "wiederkommen" könnte.
Ob überhaupt ein Mensch ursächlich an irgend einem Virus gestorben ist,
sollte zunächst vom begleitenden Kliniker und dann vom Pathologen nach Organbefund bestätigt werden. Ärztliche Diagnostiker im Verbund mit Mikrobiologen sind bekanntlich schnell zugange, bei unklaren oder vielfältigen Krankheitsbildern irgend ein "Virus" verantwortlich zu machen.
Weil menschliche und tierliche Ausscheidungen so manche identifizierten wie auch noch unbekannte potentielle Krankheitserreger enthalten können, ohne daß sie ihren Absonderer klinisch erkranken lassen, sollten nach wie vor die geltenden sanitären Regeln der Toiletten-Hygiene Beachtung finden. Nicht verschmieren und Hände mit Seife waschen, damit es nicht zum "Ausbruch" oder "Überspringen" kommen kann.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »