Ärzte Zeitung, 01.07.2004

Infektionen durch Zecken sind häufig Ursache von Sommergrippe

Hinweise aus Schweizer Untersuchung / Patienten für süddeutsche Studie gesucht

STUTTGART (ikr). Die Sommergrippe - eine fieberhafte Erkrankung mit grippeartigen Symptomen, die zur Sommerzeit auftritt - wird offenbar häufig durch Zecken übertragen, wie eine Schweizer Studie ergeben hat. In einer weiteren Studie wird jetzt untersucht, wie die Situation in Deutschland ist.

Die Sommergrippe kann bekanntlich einen recht schweren Verlauf nehmen. Sie wird aber offenbar nicht von Mensch zu Mensch übertragen (Hess Ärztebl 6, 2004, 336). Kann die Ursache solch einer Erkrankung ein Zeckenstich sein, bei dem die betroffenen Patienten sich mit Erregern wie Ehrlichien, Rickettsien, Babesien und Coltiviren infizieren?

Denn nicht nur FSME-Viren und Borrelien, sondern auch solche Erreger werden von Zecken übertragen, wie im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg in umfangreichen Untersuchungen nachgewiesen werden konnte.

Bisher sind in Deutschland aber nur durch Zecken übertragene Erkrankungen bekannt, die durch FSME-Viren und Borrelien ausgelöst werden. Völlig unklar ist bisher noch die klinische Relevanz der weiteren durch Zecken übertragbaren Erreger. In einer Schweizer Studie wurde bei 75 Patienten festgestellt, daß sich nahezu 50 Prozent der Sommergrippe-artigen Krankheitsbilder mit einer zeckenübertragenen Infektion in Verbindung bringen ließen.

Um die Situation in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg und Hessen) zu klären, werden nun die Blutseren von Patienten mit Sommergrippe in einer Studie auf Borrelien, FSME-Viren, Ehrlichien, Rickettsien, Babesien und Coltiviren untersucht. Die Studie wird vom Landesgesundheitsamt (LGA) Baden-Württemberg koordiniert.

Die teilnehmenden Patienten sollten eine Körpertemperatur von rektal > 37 Grad Celsius oder axillär > 38 Grad Celsius haben, und es sollte sich ein Zeckenstich in den letzten zwei bis sechs Wochen ereignet haben. Kollegen mit Patienten, die an der Studie teilnehmen möchten, erhalten sechs Probenröhrchen zur Blutentnahme mit Versand- (Frei-)umschlag sowie kurze Fragebögen vom LGA Baden-Württemberg.

Die Seren werden beim LGA gesammelt und auf die zuvor genannten Erreger untersucht. Die Kollegen erhalten eine umfangreiche Diagnostik ohne Budget-Belastung.

Weitere Infos bei Prof. Dr. Peter Kimmig, Dipl. Biol. Rainer Oehms, LGA Baden-Württemberg, Wiederholdstr. 15, 70174 Stuttgart, E-mail: kimmig@lga.bwl.de; oehmer@lga.bwl.de)

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