Ärzte Zeitung, 16.10.2006

Demenz verschwand nach Antibiotika-Therapie

CT-Aufnahmen wiesen auf vaskuläre Demenz / Im Liquor war hohe Konzentration von Borrelien-Antikörpern

MANNHEIM (mut). Mit einer Antibiotika-Therapie konnten Ärzte einer 78jährigen Frau mit Demenz-Symptomen wieder zu ihrem normalen Gedächtnis verhelfen: Die Frau war an einer Borreliose erkrankt.

Über diesen ungewöhnlichen Verlauf haben Kollegen von der Universität Halle/Wittenberg auf einem Poster beim Neurologen-Kongreß in Mannheim berichtet.

Die Frau stellte sich bei den Kollegen vor, nachdem sie starke Gedächtnisdefizite und Konzentrationsprobleme bemerkt hatte. Sie vergaß vieles beim Einkaufen und war schließlich kaum noch in der Lage, ihren Haushalt selbständig zu führen. Sie konnte sich aber noch daran erinnern, daß sie etwa zwei Monate zuvor starke Rückenschmerzen hatte.

Bei der klinischen Prüfung war sie internistisch und neurologisch unauffällig. In Tests waren die Konzentrationsfähigkeit, das verbale Kurzzeitgedächtnis und das visuelle Gedächtnis nur leicht unter der Altersnorm. Allerdings scheiterte die Frau beim Uhrentest: Sie konnte keine Uhr mit zwölf Ziffern und einer vorgegebenen Uhrzeit zeichnen.

Im CT fanden die Ärzte konfluierende Dichteminderungen und lakunare Läsionen. Sie glaubten aufgrund der CT-Aufnahmen zunächst an eine vaskuläre Demenz. Eine Liquor-Analyse führte sie jedoch auf die richtige Spur: Im Liquor ließen sich hohe Konzentrationen von Borrelien-Antikörpern nachweisen.

Die Frau erhielt daraufhin drei Wochen lang i.v. 2g Ceftriaxon pro Tag. Die kognitive Leistung stieg in dieser Zeit wieder auf ein normales Niveau, und auch beim Uhrentest gab es nach der Therapie keine Probleme mehr.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »