Ärzte Zeitung, 29.03.2007

Für 2007 wird ein neuer FSME-Rekord erwartet

Ganz Bayern und Baden-Württemberg gelten als FSME-Risikogebiet / Maßnahmen gegen Zecken werden angeraten

MÜNCHEN (wst). Nach dem milden Winter gehen Experten für 2007 von einem erhöhten Risiko für Krankheiten aus, die durch Zecken übertragen werden. Maßnahmen gegen Zecken und Impfungen gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) werden daher angeraten.

Bei jungen Kindern sitzen Zecken oft am Kopf. Foto: Chiron Vaccines Behring

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 540 Menschen an FSME erkrankt und damit etwa doppelt so viele wie 2004.

Dass die Zunahme von FSME durch Impfungen gut aufzuhalten wäre, demonstriert das Beispiel Österreich. Im Gegensatz zu anderen FSME-Endemiegebieten Europas sinken nämlich im Hochrisikoland Österreich die Infektionszahlen. Darauf hat Professor Peter Kimmig vom baden-württembergischen Landesgesundheitsamt in Stuttgart hingewiesen. 85 Prozent der Österreicher sind gegen FSME geimpft. In Deutschland haben dagegen in Risikogebieten nur zehn bis 15 Prozent der Menschen den Schutz, so Kimmig bei einer Veranstaltung vom Unternehmen Novartis Behring in München.

Kimmig hält es für überholt, die Impfempfehlung auf definierte Gebiete in Bayern und Baden-Württemberg zu beschränken. Nach Analysen gesammelter Zecken sowie Antikörper-Tests bei Waldarbeitern seien beide Bundesländer sowie die Grenzgebiete zu Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen als FSME-Risikogebiet einzuschätzen.

Jeder, der dort wohnt oder dorthin verreist und dabei gepflasterten Boden verlässt, kann und sollte sich auf Kassenkosten gegen FSME impfen lassen (etwa mit Encepur®). Für einen bestmöglichen Schutz ist komplette Grundimmunisierung mit drei Injektionen nötig, hat Privatdozent Kai Wohlfarth von der Uni Leipzig betont. Das konventionelle Impfschema erstreckt sich über ein Jahr. Drängt die Zeit, ist eine Schnellimmunisierung binnen drei Wochen möglich.

Der Effekt einer kompletten Grundimmunisierung gehe nie mehr verloren, ergänzte Dr. Peter Gerold vom Unternehmen. Eine Grundimmunisierung muss also auch nicht wiederholt werden, wenn die Termine für Auffrischimpfungen um Jahrzehnte überschritten worden sind. Es genüge eine einmalige Nachimpfung, um den Schutz wieder aufzufrischen.

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