Höchste Zeit für FSME-Schutz!

Die Zeckensaison hat begonnen: Das Robert Koch-Institut hat erste FSME-Infektionen registriert. Schutz bietet nur eine Impfung. Dafür ist es noch noch nicht zu spät: Last-Minute-Impflinge können ein schnelles Schema mit drei Impfungen innerhalb von 21 Tagen nutzen.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Zecken stechen jetzt wieder zu.

Zecken stechen jetzt wieder zu.

© Schejok/fotolia.com

NEU-ISENBURG. Alle Jahre wieder: Der gemeine Holzbock rüstet zum Angriff. Mit den steigenden Temperaturen des Frühlings bringen sich auch die Zecken wieder in Position.

So hat das Robert Koch-Institut (RKI) in diesem Jahr bereits Mitte März die erste FSME-Infektion registriert.

Höchste Zeit also für all diejenigen, die in Risikogebieten leben, arbeiten oder dorthin in Urlaub fahren, sich gegen den Erreger der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) impfen zu lassen.

Idealerweise sollte mit der Immunisierung im Winter begonnen werden, um den Schutz bis zum Beginn der Zeckensaison aufzubauen. Hierzu sind zwei Injektionen im Abstand von ein bis drei Monaten nötig.

Sie liefern frühestens 14 Tage nach der zweiten Spritze einen kurzzeitigen Schutz, der durch eine dritte Immunisierung, je nach Impfstoff, fünf bis zwölf Monate später komplettiert wird.

Für die speziellen Seren zur Impfung von Kindern nach dem ersten bis zum vollendeten elften bzw. 16. Lebensjahr gelten die gleichen Zeitschemata wie für Erwachsene. Auch Last-Minute-Impflinge bleiben nicht auf der Strecke: Sie können ein schnelles Schema mit drei Impfungen innerhalb von 21 Tagen nutzen.

Offenbach ist neues Risikogebiet für FSME

Die erste Auffrischung sollte, je nach Impfschema nach 12 bis 18 Monaten oder drei Jahren erfolgen, danach alle fünf bzw. bei über 50-Jährigen alle drei Jahre.

Bundesweit registrierte die RKI-Statistik für das Jahr 2011 insgesamt 432 FSME-Erkrankungen. Diese Zahl liegt zwar über den durchschnittlich etwa 300 Krankheitsfällen der Vorjahre, doch nach Angaben des RKI kommen solche Schwankungen häufiger vor.

Viele Faktoren können dabei eine Rolle spielen, von der optimalen Luftfeuchtigkeit über moderate Temperaturen bis hin zu schönem Wetter, das viele Wanderer ins Grüne lockt.

Für das Risiko der Übertragung von FSME-Viren durch infizierte Zecken besteht ein Nord-SüdGefälle.

Aktuell gelten 78 Kreise in Bayern, 42 in Baden-Württemberg, neun in Hessen (hier kam 2010 der Stadtkreis Offenbach neu hinzu), sieben in Thüringen und ein Kreis in Rheinland-Pfalz als Risikogebiet.

Bayern plant Meldepflicht für Borreliose

Während die bundesweite Meldepflicht für FSME einen guten Überblick über die Zahl der Fälle verschafft, sind die Informationen zu der deutlich häufigeren Borreliose spärlicher.

Auf Länderebene besteht lediglich in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen seit 2001 eine Meldepflicht für Borreliose.

Im Jahr 2011 haben Rheinland-Pfalz und das Saarland nachgezogen, und aktuell plant Bayern eine entsprechende Dokumentation. Im Jahr 2011 registrierte das RKI allein in den bislang selbstverpflichteten Bundesländern 7968 Patienten mit Borreliose.

Anders als bei FSME ist die regionale Verteilung der mit Borrelien infizierten Zecken relativ homogen.

Systematische Inspektion ist der beste Schutz

Eine FSME-Infektion lässt sich am besten durch die vollständige Impfung vermeiden. Um sich generell vor Zecken, und damit auch vor einer Borreliose zu schützen, sind einige Allgemeinmaßnahmen wirksam.

Dr. Volker Fingerle vom Nationalen Referenzzentrum für Borrelien in Oberschleißheim empfiehlt die Benutzung befestigter Wege und das Tragen heller Kleidung, auf der zumindest die adulten Tiere besser sichtbar sind. Repellentien sind gegen Zecken wesentlich kürzer wirksam als gegen Mücken.

Wichtigste Maßnahme, so Fingerle, sei das Absuchen des Körpers nach dem Aufenthalt im Freien, da Zecken oft noch stundenlang herumkrabbeln, bis sie einen geeigneten "Säge- und Stechplatz" gefunden haben.

Vor allem bei Katzen sollte man auf Zecken achten, da sie häufig nur als Transportmittel genutzt werden, bis die Zecken einen geeigneten Menschen gefunden haben. Ist das "Andockmanöver" gelungen, bleibt das Risiko einer Borrelieninfektion gering, wenn die Zecke innerhalb von 48 Stunden fachgerecht entfernt wird.

Denn anders als bei FSME-Viren, die sofort übertragen werden, müssen Borrelien erst im Darm der Zecke aktiviert werden.

Als interessante postprophylaktische Maßnahme gegen eine Borrelieninfektion könnte sich möglicherweise die lokale Anwendung eines Azithromycingels erweisen, das derzeit in der klinischen Phase III getestet wird.

Hier geht's zur aktuellen Karte der FSME-Risikogebiete!

Quelle: www.springermedizin.de

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