Risiko einer verzögerten Emesis bei Chemotherapie wird unterschätzt

MÜNCHEN (wst). Die akute Emesis in den ersten 24 Stunden nach Chemotherapie-Start ist inzwischen gut beherrschbar. Dagegen wird die mit einer Latenz von zwei bis fünf Tagen auftretende verzögerte Emesis nach wie vor oft unterschätzt. Je besser aber die Prophylaxe des akuten Erbrechens ist, desto seltener und schwächer treten Übelkeit und Erbrechen auch verzögert auf.

Veröffentlicht:

Eine 2000 auf dem Kongreß der ASCO (American Society of Clinical Oncology) vorgestellte Untersuchung hat erneut belegt, daß onkologisch tätige Ärzte vor allem das Risiko einer verzögerten Emesis unterschätzen. Darauf hat Professor Hans-Joachim Schmoll aus Halle bei einer unter anderem von GlaxoSmithKline unterstützten Veranstaltung in München hingewiesen.

In der Untersuchung hatten 57 Prozent der Patienten nach einer Chemotherapie tatsächlich eine verzögerte Emesis. Von den Ärzten war dies allerdings nur für 24 Prozent prognostiziert worden.

Wann immer eine relevante Wahrscheinlichkeit für eine verzögerte Emesis besteht, sollte immer eine Prophylaxe angestrebt werden. Dabei sei eine konsequente Vorbeugung der akuten Emesis Voraussetzung für eine wirksame Prävention auch der verzögerten Emesis, betonte Schmoll. Dies bedeutet, daß bei einer sehr emetogenen Chemotherapie am Tag der Behandlung ein 5-HT3-Antagonist wie Ondansetron (Zofran®), kombiniert mit Dexamethason intravenös angewendet wird.

Diese Kombinationstherapie sollte dann oral für mindestens drei Tage fortgesetzt werden. Alternativ kommt für die Anschlußbehandlung auch Metoclopramid in Kombination mit Dexamethason in Frage. Bei moderat emetogenen Chemotherapien empfiehlt sich am ersten Tag die gleiche Kombination wie bei sehr emetogener Chemotherapie.

Für die Anschlußbehandlung über mindestens zwei Tage genügt dann oft eine orale Monotherapie mit einem 5-HT3-Antagonisten, mit Metoclopramid oder Dexamethason. Bei gering emetogenen Chemotherapien ist oft keine Prophylaxe nötig, oder es genügt eine orale Monotherapie mit Metoclopramid.

Da es selbst mit einer solchen leitliniengerechten Prophylaxe zur verzögerten Emesis kommen kann, wird nach zusätzlichen Alternativen gesucht. In den USA bei hoch emetogenen Chemotherapien zugelassen ist die Ergänzung der initialen 5 HT3-Antagonisten/Dexamethason-Kombination mit dem Neurokinin-1-Antagonisten Aprepitant. Der Antagonist ist jetzt auch in Europa zur Emesis-Prophylaxe speziell bei Cisplatin-haltigen Chemotherapien zugelassen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Acetylsalicylsäure in der Onkologie

ASS schützt Senioren langfristig wohl nicht vor Krebs

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Person mit weißer Pille in der rechten Hand und Glas Wasser in der linken Hand

© fizkes - stock.adobe.com

Acetylsalicylsäure in der Onkologie

ASS schützt Senioren langfristig wohl nicht vor Krebs