Oft ist Anämie Ursache der Erschöpfung Krebskranker

MÜNCHEN (wst). Krebspatienten mit Müdigkeit, Leistungsschwäche und Depressionen, die sich trotz Ruhe nicht nennenswert vermindern, haben ein Fatigue-Syndrom. Bei über 50 Prozent aller Krebspatienten ist dieses Erschöpfungssyndroms derart ausgeprägt, daß eine Therapie erforderlich ist.

Veröffentlicht:

Nach einer Untersuchung von Dr. Peter Stone vom Trinity Hospice in London (Annals of Oncology 11, 2000, 971) fühlen sich Tumorpatienten im Alltag durch ein Fatigue-Syndrom häufiger beeinträchtigt als etwa durch Schmerzen oder Übelkeit.

Darauf hat die Professor Petra Feyer auf einem unter anderem von dem Unternehmen Hoffmann-La Roche unterstützten Workshop in München aufmerksam gemacht. Das Syndrom kann sowohl durch die maligne Erkrankung selbst als auch durch die Therapie gegen das Krebsleiden verursacht sein.

Im Fokus der Ärzte sei das Fatigue-Syndrom aber offensichtlich von untergeordneter Bedeutung, sagte die Nuklarmedizinerin vom Vivantes Klinikum Neukölln aus Berlin. Einer aktuellen Studie zufolge wünschen sich 41 Prozent aller Krebspatienten eine effektive Therapie gegen den Erschöpfungszustand, nur fünf Prozent ihrer Ärzte dagegen hielten dies für erforderlich.

Damit ein Fatigue-Syndrom aufgedeckt werde, sei es wichtig, gezielt danach zu fragen, betonte Feyer. Bei positivem Befund sollte gezielt nach möglichen Ursachen wie Schmerzen, emotionalen Belastungssituationen, Schlafstörungen, Anämie und Schilddrüsenunterfunktion gesucht werden.

Die Therapie richtet sich nach den jeweiligen Ursachen. Als nichtmedikamentöse Maßnahme sollte nach Möglichkeit immer eine regelmäßige, leichte körperliche Belastung empfohlen werden, die oft überraschend effektiv sei.

Häufig beruhe die Fatigue bei Krebspatienten auf einer Anämie, so Feyer. Als sehr wirksame Therapie bietet sich dann eine Erythropoietin-Behandlung an, etwa mit dem von dem Unternehmen als NeoRecormon® angebotenen Epoetin-beta.

Für eine gute Lebensqualität sollte idealerweise ein Hb-Wert von über zwölf Gramm pro Deziliter angestrebt werden. Mindestens sollte er jedoch auf über zehn Gramm pro Deziliter angehoben werden, da bei Unterschreiten dieser Grenze nicht nur die Lebensqualität, sondern neueren Untersuchungen zufolge auch die Prognose der Krebspatienten vermindert sein kann.



Fatigue und CRP-Kontrolle

Bei Krebspatienten mit Fatigue-Syndrom sollte bei der Suche nach der Ursache auch das C-reaktive Protein (CRP) bestimmt werden, sagt Professor Hans-Joachim Schmoll aus Halle um einen unerkannten bakteriellen Infekt als Ursache auszuschließen. Werden diese Patienten antibiotisch behandelt, blühten sie oft förmlich auf. Schmoll erinnerte auch daran, daß es bei soliden Tumoren kein "Tumorfieber" gebe. Steige die Temperatur, sei deshalb von einem Infekt auszugehen. (wst)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Studie aus den Niederlanden

Lentigo maligna oft aggressiver als gedacht

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Acalabrutinib: TTNT-Update der AMPLIFY-Studie und RWE-Daten

© jarun011 / stock.adobe.com

Chronische lymphatische Leukämie

Acalabrutinib: TTNT-Update der AMPLIFY-Studie und RWE-Daten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Übersichtsarbeit

Lipödem: Welche Therapie am besten hilft

Bewegung, geeignete Ernährung, Stressabbau

Wie wichtig bei Parkinson ein gesunder Lebensstil ist

Lesetipps
Ein Arzt füllt einen internationalen Impfpass aus.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Herzinfarkt-Prävention

Diabetes: Grippeimpfung schützt das Herz!