Ärzte Zeitung, 08.04.2004

Oxaliplatin wird beim Rektum-Ca jetzt geprüft

Op plus Radiochemotherapie

PARIS (grue). Etwa ein Drittel der Patienten, die wegen eines Rektumkarzinoms operiert wurden, bekommen Fernmetastasen. Ob eine modifizierte Radiochemotherapie vor oder nach der Operation die Heilungs-Chance bessert, wird derzeit in mehreren Studien geprüft.

Eine prä- oder postoperative Radiochemotherapie nach Exzision des Karzinoms ist fester Bestandteil der Behandlung bei Enddarmkrebs. Um noch mehr Patienten unter Erhalt des Sphinkters und bis hinein ins gesunde Gewebe operieren zu können, müsse die adjuvante Therapie weiter verbessert werden, so Dr. Carlo Aschele aus Genua bei einem Krebs-Kongreß in Paris.

Als neuer Therapiebaustein biete sich Oxaliplatin (Eloxatin®) an, weil diese Substanz zusammen mit 5-Fluorouracil (5-FU) schon bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom erfolgreich verwendet wird. Eine Kombination mit Strahlen- und Chemotherapie sei sinnvoll, weil Oxaliplatin die Zellen für die Bestrahlung empfindlicher mache, die Wirkung von 5-FU steigere und die Darmschleimhaut kaum angreife.

Wie der Onkologe auf einem Symposium des Unternehmens Sanofi-Synthelabo berichtete, wurden in Pilotstudien mehrere Therapien geprüft. Wöchentliche Oxaliplatin-Anwendungen mit fraktionierter Bestrahlung war am besten verträglich. Bei 22 von 25 Patienten, die präoperativ mit Bestrahlung, 5-FU und Oxaliplatin behandelt wurden, verkleinerte sich der Tumor. 28 Prozent der Patienten erreichten eine komplette klinische Remission.

Das Therapieregime wird jetzt in einer italienischen Phase-III-Studie im Vergleich zu einer 5-FU/Strahlen-Therapie geprüft. Primärer Endpunkt ist die Überlebensrate nach drei Jahren. Es ist auch eine Studie mit ähnlichem Design zur neoadjuvanten Therapie bei Rektumkarzinom geplant.

Dabei erhalten die Patienten aus der Oxaliplatin-Gruppe 5-FU als Pro-Drug Capecitabin. Da besonders US-Onkologen die postoperative Chemotherapie bei Rektumkarzinom bevorzugen, wird auch dieser Therapie-Ansatz in einer Studie überprüft. Der Studienplan sieht vor, Patienten mit Rektumkarzinom mit einer 5-FU-basierten Radiochemotherapie zu behandeln, zu operieren und dann mit Capecitabin plus Oxaliplatin zu behandeln. Eine Kontrollgruppe erhält nach der Op keine oder eine frei wählbare Chemotherapie.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »