Ärzte Zeitung, 26.03.2004

Indometacin hilft Hirnzellen, sich zu regenerieren

STANFORD (wsa). Bei Strahlentherapien wegen Hirntumoren werden auch gesunde Nervenzellen geschädigt und Entzündungsreaktionen ausgelöst. Ein dabei gebildeter Botenstoff verhindert, daß Stammzellen die abgestorbenen Nervenzellen wieder ersetzen können. Doch mit Indometacin konnten US-amerikanische Wissenschaftler bei Ratten das Wachstum der Hirnstammzellen anregen und die Regeneration des Gewebes verbessern.

Im Hippocampus, der für Gedächtnis und Lernen zuständigen Hirnregion, entstehen aus Stammzellen ständig neue Neuronen. Nach einer Bestrahlung wegen eines Tumors kommt dieser Prozeß zum Erliegen, und die Gedächtnisleistung sinkt (Science 302/5651, 2003, 1760).

"Es stimmt etwas mit der Umgebung nicht, in der sich die Stammzellen zu Neuronen entwickeln sollen", so Dr. Michelle Monje, Mitglied des Forscherteams um Professor Theo Palmer an der Stanford University. Die Wissenschaftler vermuten, daß Entzündungsreaktionen das Wachstum der Stammzellen blockieren.

Diese Annahme bestätigten sie in Versuchen mit Ratten: Künstlich ausgelöste Entzündungen bewirkten, daß weniger neue Gehirnzellen entstanden. Wurden die Tiere mit dem nicht-steroidalen Antirheumatikum (NSAR) Indometacin behandelt, entwickelten sich die Stammzellen wieder normal. Weitere Untersuchungen ergaben, daß der bei der Entzündungsreaktion freigesetzte Botenstoff Interleukin 6 Ursache der Hemmung ist.

Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, ob bestrahlte Hirntumor-Patienten durch eine NSAR-Behandlung weniger bleibende Hirnschäden erleiden. Besonders schwerwiegend sind die Auswirkungen einer Therapie bei Kindern, bei denen das gesamte Gehirn bestrahlt wird.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »