Ärzte Zeitung, 03.03.2004

Orale Mucositis bei Krebs bald kein Problem mehr?

Wachstumsfaktor für Keratinozyten verkürzt den Verlauf der Entzündung / Analgetikaverbrauch verringert

BERLIN (gvg). Ein gentechnisch hergestellter Wachstumsfaktor für Keratinozyten könnte bei Tumorpatienten, die sich einer Chemo- oder Strahlentherapie unterziehen müssen, künftig die quälenden Beschwerden lindern, die mit Entzündungen der Mundschleimhaut einhergehen. Die Substanz wird in den USA gerade zur Zulassung eingereicht.

Schleimhautentzündungen im Mundraum gehören zu den für die Patienten quälendsten Problemen, die mit Chemo- und Strahlentherapien einhergehen können. Die Beschwerden können so schlimm sein, daß eine orale Nahrungsaufnahme unmöglich wird. Bis der typische Mucositis-Zyklus von Entzündung, Gewebeatrophie, Ulzerationen, Infektion und schließlich Heilung durchlaufen ist, können mehrere Wochen vergehen. Hilfe gab es bisher keine.

Unter dem noch vorläufigen Namen Palifermin wird nun in den USA der rekombinante Wachstumsfaktor FGF-7 vom Hersteller Amgen zur Zulassung für die Therapie bei chemo- oder radiotherapieassoziierter oraler Mucositis eingereicht. Er stimuliert offenbar hochselektiv das Wachstum der Keratinozyten der Epidermis. Dadurch wird die Mucositis zwar nicht verhindert, ihr Verlauf aber stark abgekürzt, wie Dr. Kay Oliver Kliche von dem Unternehmen auf einem Satellitensymposium beim Deutschen Krebskongreß in Berlin berichtet hat.

So habe Palifermin in einer Phase-III-Studie mit 212 Patienten, die eine autologe Stammzelltransplantation erhielten, die durchschnittliche Dauer hochgradiger Mundschleimhautentzündungen verglichen mit Placebo von etwa 10 auf 3,7 Tage reduzieren können. Der Analgetikaverbrauch habe sich mehr als halbiert. Die Zahl der Patienten, die eine parenterale Ernährung benötigten, sei in der Verumgruppe sogar um 75 Prozent geringer gewesen, so Kliche. Bei Patienten mit fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom gebe es aus einer Phase-II-Studie ähnliche Daten.

Genau beobachtet wird nicht nur die Wirkung des Medikaments, sondern auch der Verlauf der Tumorerkrankungen. Denn immerhin könne man sich vorstellen, daß ein epidermaler Wachstumsfaktor einen ungünstigen Effekt auf das Wachstum solider Tumoren haben könnte, wie Professor Bernd Dörken von der Klinik für Hämatologie der Charité Berlin zu bedenken gab. Bislang, so Kliche, gebe es dafür aber keine Hinweise. Doch man beobachte alle Patienten auch in diesem Zusammenhang.

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