Ärzte Zeitung, 16.03.2004

Epoetin-alpha verbessert Tumorkontrolle bei Anämie

Tendenziell längeres Überleben mit Erythropoetin-Therapie / Ist ein Hb-Wert von 12 g/dl erreicht, sollte die Arznei-Dosis reduziert werden

BERLIN (grue). Krebspatienten mit einer Anämie profitieren von einer Anhebung des Hämoglobin-Wertes. Dieser sollte aber einen Wert von 12 g/dl nicht übersteigen.

Die Korrektur der tumorbedingten Anämie mit rekombinantem humanem Erythropoetin (EPO) verbessert die Lebensqualität, verringert den Transfusionsbedarf und die Fatigue-Symptome. Bei Tieren konnte außerdem nachgewiesen werden, daß die EPO-Behandlung das Tumor-Wachstum verzögert.

Auch in einer klinischen Studie bei Patienten mit Plattenepithel-Karzinomen der Mundhöhle und niedrigem Hb-Wert verbesserte die Behandlung mit dem EPO-Medikament Epoetin-alpha (Erypo®) die Tumorkontrolle. In einer weiteren Studie wurde ein tendenziell längeres Überleben der mit Epoetin-alpha behandelten Krebspatienten nachgewiesen.

Dieser günstigen Datenlage stehen zwei klinische Studien gegenüber, in denen anämische Patienten mit metastasiertem Brustkrebs oder mit Kopf-Hals-Tumoren nach EPO-Therapie nicht länger lebten. Auf einer Veranstaltung des Unternehmens Ortho Biotech beim Krebskongreß in Berlin wurden diese Ergebnisse kritisch betrachtet.

So wies Professor Siegfried Seeber aus Essen darauf hin, daß es bei der multinationalen Brustkrebs-Studie mit Epoetin-alpha Mängel bei der Randomisierung gegeben habe. Der erreichte Hb-Unterschied zwischen den Studien-Armen habe nur 0,1 g/dl betragen, wobei im Placebo-Arm ein großer Teil der Frauen wider Erwarten nicht anämisch geworden war. Der Überlebensvorteil im Placebo-Arm verlor sich nach zwölf Monaten, weshalb die Werte zum Langzeitüberleben in beiden Gruppen ähnlich waren, wie Seeber berichtete.

Noch schwerer wog die Kritik an der zweiten Studie, bei der mit Epoetin-beta behandelt wurde. Hier seien die Patienten nach Angaben von Professor Volker Budach aus Berlin mit zu hohen EPO-Dosen behandelt worden. Deshalb habe nach vierwöchiger Therapie der mittlere Hb-Wert bei 15 g/dl gelegen statt bei der angestrebten Konzentration von 12 g/dl.

Die Experten wiesen darauf hin, daß die evidenzbasierten Richtlinien der ASCO (American Society of Clinical Oncology) und ASH-Gremien (American Society of Hematology) die Verwendung von EPO in der Onkologie empfehlen, und zwar bei Anämie bei einer Chemotherapie mit einem Hb-Wert von höchstens 10 g/dl. Der Ziel-Hb-Wert beträgt 12 g/dl. Ist dieser Wert erreicht, sollte die EPO-Dosis reduziert werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »