Ärzte Zeitung, 11.03.2004

Neue Substanzen bremsen Krebswachstum aus

Antisense-Moleküle spezifischer als Zytostatika / Forschungserfolge etwa mit Survivin- und Wachstumsfaktor-Hemmer

BERLIN (nsi). Bei der Verfeinerung von Chemotherapie-Regimes bei Krebs sind klassische Zytostatika wie alkylierende Substanzen, Platinverbindungen oder Antimetabolite noch immer wichtig. Die meisten neuen Substanzen aber, die präklinisch erforscht werden oder die Schwelle der klinischen Entwicklung erreichen, sind etwa Antikörper oder Antisense-Moleküle.

Das ist jetzt beim Deutschen Krebskongreß in Berlin deutlich geworden, wo über mehrere klinische Studien mit geringen Protokoll-Variationen im Vergleich zu den Standards berichtet worden ist. Antikörper oder Antisense-Moleküle sind spezifischer als die klassischen Zytostatika gegen Zielstrukturen gerichtet, die das Tumorwachstum fördern oder sie verstärken die Wirkungen anderer Krebstherapien in multimodalen Behandlungsansätzen.

Ein Beispiel: ein Antisense-Oligonukleotid gegen das Tumorprotein Survivin. Das Antisense-Molekül stammt aus der Medikamenten-Pipeline des Unternehmens Lilly und wird gemeinsam mit dem Gentechnik-Unternehmen Isis für die klinische Anwendung entwickelt.

Survivin sei bislang nur bei Krebszellen nachgewiesen worden und damit tumorspezifisch, berichtete der Abteilungsleiter des Fachbereichs Onkologie bei Lilly in Bad Homburg, Dr. Clemens Stoffregen. Survivin hemmt eine Signalkaskade, die zum programmierten Zelltod führt. Die Expression des Survivin-Proteins sei bei Tumorpatienten mit einer schlechten Prognose assoziiert.

Ein Antisense-Oligonukleotid gegen Survivin bremst das Umschreiben der Boten-RNA in die Bausteinfolge des Proteins. Die Substanz hemme so die Vermehrung von Tumorzellen in vitro und auch das Wachstum von Malignomen in Tiermodellen. Jetzt seien Phase-I-Studien geplant.

In einem ähnlichen Stadium ist bei dem Unternehmen die Entwicklung eines neuen Hemmstoffs von TGF, dem Transforming Growth Faktor beta. Der Wachstumsfaktor bereitet Zellen gewissermaßen den Boden für eine starke Vermehrung: Er fördert die Angiogenese sowie die Entdifferenzierung der Zellen und unterdrückt Immunreaktionen.

Auch mit dem TGF-Hemmer ließ sich das Krebswachstum im Tiermodell gut hemmen. Klinische Studien seien geplant, so Stoffregen. Ebenfalls in der Pipeline stecke ein selektiver Hemmer der Proteinkinase-C-beta (PKC-beta). Auch er bremst die Angiogenese und hat sich bei stark durchbluteten Tumoren wie dem Glioblastom in der präklinischen Forschungsphase als gut wirksam erwiesen.

In der Entwicklung des PKC-beta-Hemmers sei inzwischen die klinische Phase I abgeschlossen. "Die Substanz ist außergewöhnlich gut verträglich", sagte Stoffregen, "sie hat praktisch keine unerwünschten Wirkungen."

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